10 Erkenntnisse aus meinem letzten Roadtrip
Endlich Urlaub! Ende Mai hatte ich zum ersten Mal nach Weihnachten frei und wir wollten weg. Also haben wir eine alte Idee wieder hochgeholt und einen kleinen Roadtrip durch Deutschland gemacht. Und der hat mich überraschenderweise auch noch einiges über mich und mein Selbstmanagement gelehrt.
Wusstest du, dass der Harz bzw. die Städte im Harz im Mittelalter richtig wichtig, steinreich und international bedeutsam waren? Ich nicht. Ich wusste nur, dass Quedlinburg wunderschön sein soll und auf dem Weg dorthin die „größte Hängebrücke ihrer Art“ lag (die wir natürlich überquert haben. Zweimal!).
Quedlinburg war für mich ein Überraschungssieger auf unserem Roadtrip und nicht wegen der Fachwerkhäuser, für die es so berühmt ist. Davon sind viele so heruntergekommen, dass ich es eher traurig fand. Aber wir hatten in Quedlinburg zwei ganz tolle Führungen. Die haben mir die Stadt und ihre Geschichte auf eine Art erschlossen, die ein Buch-Reiseführer nicht leisten kann. Was mich zu meiner ersten Erkenntnis bringt:
Finde heraus, ob du ein Fakten- o. ein Geschichtenmensch bist
Mein Mann liebt Fakten und kann sie sich auch merken, in Zusammenhang bringen und das große Bild daraus aufbauen. Ich habe das Wann, Wo und Wer schon wieder vergessen, bevor er seinen Satz beendet hat. Dafür erfasse ich sehr schnell die Geschichten hinter den Fakten. Ich merke mir das Was, Wie und Warum.
Im Urlaub bedeutet das: Ich brauche Menschen, die mir von der Stadt, ihrer Geschichte und ihren Geschichten erzählen. So entsteht in meinem Kopf ein Film. Ich kann mich in der Zeit zurückversetzen und bekomme eine emotionale Verbindung. Das hatten wir in Quedlinburg: Eine grandiose Führung durch die Stiftskirche und eine wenige detaillierte, aber schöne durch das Rathaus.
Potsdam war anders. Eigentlich ganz und gar meins: Unglaublich viel sehr gut erhaltener Prunk vergangener Zeiten. Königshäuser-Geschichte. Hervorragend gemachte Audio-Guides in Schloss Sanssouci, sehr gute Apps zu den restlichen Schlössern. Aber obwohl ich Potsdam als Stadt unglaublich toll fand (So viel Wasser! So viel Grün!) tat ich mich schwer, mich einzufühlen.
Mit einer Ausnahme: Zum alten Militär-Waisenhaus gibt es eine digitale Ausstellung, die aus der Sicht zweier Waisenkinder die Geschichte des Hauses erzählt. Die anderen Guides und Apps konzentrierten sich auf Fakten. Ratet mal, wo ich mehr Zeit verbracht habe!
Mein Tipp auch für dich: Finde heraus, ob du Fakten oder Geschichten brauchst, um deine Begeisterung zu wecken. Und dann sorg für Erlebnisse, die diese Seite an dir füttern.
Nutze den Urlaub, um gute Gewohnheiten zu starten
Schlaf, Alltagsbewegung, Ernährung – Es war erstaunlich, wie gut das im Urlaub geklappt hat. Allerdings musste ich für das gesunde Essen nicht selbst sorgen und hatte den ganzen Tag Zeit, um Schritte zu sammeln. In meinem normalen Alltag zwischen Job, Zeitplanerin, Haushalt, Freunden, Familie und Selbstversorgung ist das nicht zu schaffen.
Anfangs hat mich das wahnsinnig frustriert. Aber dann hatte ich einen Geistesblitz: Schon möglich, dass ich nicht das volle Programm in den Alltag retten kann, aber ich kann endlich die Grundsteine für gesündere Gewohnheiten legen, indem ich sie um Urlaub trainiere.
Ich hatte 10 Tage Zeit, um mir anzugewöhnen:
- Richtig zu frühstücken – Obst, Gemüse, Ei, Joghurt, Vollkornbrot. Das gab es im Urlaub jeden Morgen. Für mich, die das Frühstück sonst völlig auslässt, erst eine Überwindung, dann eine Überraschung. Mir ging es so viel besser mit diesem Start in den Tag. Keine Heißhungerattacken, kein Energietief, bessere Laune.
- Mich im Alltag mehr zu bewegen – Zu Hause schaffe ich manchmal nur knapp 1.000 Schritte am Tag. Viel zu wenig. Aber es fällt mir wahnsinnig schwer, nicht den bequemen Weg zu nehmen, wenn ich auch Aufzug fahren und direkt am Eingang parken kann. Im Urlaub bin ich jeden Tag zwischen 12.000 und 22.000 Schritte gelaufen und es hat Spaß gemacht!
- Genug zu schlafen – Rechtzeitig ins Bett zu gehen und dann auch noch abzuschalten und gut zu schlafen, ist meine Nemesis. Im Urlaub waren die körperliche Erschöpfung und der Mangel an „Ich muss nur noch schnell“ ein perfektes Schlafförder-Duo.
Ich habe auf diese 3 Dinge im Urlaub also ganz bewusst geachtet und das jeden Tag durchgezogen.
Das Ergebnis: Ich arbeite seit einer Woche wieder und war dennoch jeden Tag spazieren und hab mir jeden Tag ein gesundes Frühstück gemacht (einmal sogar zusätzlich gesund gekocht). Das mit dem Schlaf ist schwieriger. Noch geht es einigermaßen, aber ich rutsche schon wieder in gefährliche Gefilde ab. Dennoch: Bisher würde ich sagen, dass die Urlaubsgewohnheiten geholfen haben, auch meinen Alltag zu Hause endlich aktiver und gesünder zu gestalten und darauf bin ich echt stolz.
Aus dem Koffer zu leben, ist weniger anstrengend, wenn man klug packt.
Dass es leichter ist, aus dem Koffer zu leben, wenn man klug packt, ist jetzt nicht unbedingt eine bahnbrechende Weisheit. Aber für mich war es bisher ein eher abstraktes Konzept, das mit meinem Packen nicht viel zu tun hatte.
Ich packe immer für alle möglichen Eventualitäten, habe also viel zu viel dabei und stopfe die Dinge dann wahllos in alle Ritzen, um möglichst alles in einen Koffer zu bekommen. Im Hotel bedeutet das: Immer alles ausräumen, weil man sonst nicht findet, was man sucht.
Dieses Mal hatte ich aber ein Video gesehen, wo jemand mit Packing Cubes packt und mir auch welche bestellt. Was soll ich sagen? So banal das klingt: Für mich und mein Gehirn sind diese Dinger der heilige Pack-Gral!
Das sind einfach nur kleine Plastik/Stoff-Boxen unterschiedlicher Größe. Die meisten haben oben Netzgewebe, so dass man sofort sieht, was drin ist. Reißverschluss drumherum, so dass nichts rausfällt. Und in den Maßen so produziert, dass sie meinen Koffer genau ausfüllen.
Statt also alles irgendwohin zu stopfen, habe ich Cubes gepackt:
- 1 mit Kleidung
- 1 mit Unterwäsche und Socken
- 1 mit Waschzeug
- 1 mit Elektronik (Kabel, Ladegeräte, mein Föhn…) und einem Buch
- 1 mit Wechselschuhen
Im Hotel habe ich den Koffer nur geöffnet, das war alles. Weil die Packing Cube sauber nebeneinander liegen, muss ich nichts auspacken. Einfach den benötigten Cube öffnen, entnehmen, was man braucht, fertig. Und gepackt war der Spaß auch in unter 10 Minuten, wenn wir weitergezogen sind.
Das waren die best investierten 13,22 Euro meiner gesamten Urlaubsvorbereitung! Ich hab diese Packing Cubes gekauft. Die sind aber nichts Besonderes, mir haben nur Farbe, Preis und Anzahl am meisten zugesagt.
Anstrengend ist nicht dasselbe wie erschöpfend
Ich hatte anfangs ziemlichen Respekt vor dieser Reise. Mein Mann ist ein Duracel Hase, wenn es darum geht, sich etwas anzusehen. Ich mag es, neue Dinge zu erleben, mein Gehirn zu füttern und schlendere auch gern einfach so durch fremde Städte. Aber körperlich bin ich eher bequem. Ich hatte also Sorge, dass der Urlaub so gar nicht erholsam, sondern furchtbar anstrengend wird.
In den 11 Tagen sind wir mehr als 80 Kilometer gelaufen. Ich habe fast 148.000 schritte auf der Uhr. Das Ganze war also definitiv anstrengend. Sauanstrengend sogar. Und zugleich hat es mich regelrecht mit Energie geflutet.
Das war eine riesige Erkenntnis für mich: Anstrengend ist nicht dasselbe wie erschöpfend! Die vielen neuen Eindrücke und Impulse haben mein Gehirn, mein Herz und meine Seele gefüttert. Ich habe gemerkt, wie wenig davon ich in letzter Zeit in meinem Alltag hatte und will unbedingt wieder mehr neue Dinge erleben, um auch im Alltag regelmäßig Energie zu tanken. (Ideen für die Region um Nürnberg gern per mail!).
Kommunikation, die im Alltag schwierig ist, bleibt es auch im Urlaub
Wenn der Alltagsstress entfällt, hören auch die Streitereien auf und es wird endlich harmonisch, richtig? Na ja, bei uns nicht. Der Alltag ist aber auch nur halb-schuld an unseren Krisen. Problematische Kommunikationsmuster machen uns da mehr zu schaffen.
Ich kann zum Beispiel nur sehr schlecht kommunizieren, was ich möchte (und was nicht) – vor allem, wenn ich fürchte, dass sich das nicht mit den Wünschen meines Partners deckt. Wenn er dann aber Dinge vorschlägt, auf die er Lust hat und mein „von mir aus“ für bahre Münze nimmt, bin ich den halben Tag schlecht gelaunt und zickig.
Das ist ein altes Programm, das ich nur sehr schwer durchbrechen kann und das auch im Urlaub immer wieder zu Stress geführt hat. Aber während ich im Alltag einfach funktionieren will, konnte ich mir im Urlaub die Ruhe nehmen, meine Muster zu erkennen und anders zu reagieren. Das hat nicht immer funktioniert. Nicht mal meistens.
Wir sind nicht plötzlich als Super-Kommunikatoren aus dem Urlaub zurückgekommen. Aber es hat geholfen. Und vor allem hat es die ein oder andere Situation vor der Eskalation bewahrt und so vielleicht den Urlaub gerettet.
Reise mit leichtem Gepäck, aber spar nicht an der falschen Stelle
Wir waren zu zweit 11 Tage unterwegs. Und dafür hatten wir, Achtung!, 2 Koffer, 2 Sporttaschen, 2 Rucksäcke, eine Arbeits- und eine Handtasche dabei. Nicht nachmachen! Im letzten Hotel in Leipzig gab es keinen Lift. Spätestens dann ist uns die „Wir nehmen das mal mit, könnte ja sein, dass wir es brauchen“-Einstellung auf die Füße gefallen. Buchstäblich übrigens.
Und die Dinge, die ich wirklich gebraucht hätten, hatten wir dennoch nicht dabei: Nadelmatte und Faszienrolle. Dabei war es nicht unser erster Städteurlaub. Aber ich dachte mir: „Das passt einfach nicht mehr in den Koffer. Wird schon gut gehen!“ Das nächste Mal lasse ich meinen Föhn daheim, den ich eh kaum benutzt habe, aber die Nadelmatte und zumindest ein Massageball kommen mit.
Allerdings wüsste ich nicht, wie ich das Dilemma hatte verhindern können. Denn ich habe natürlich vorab eine Packliste geschrieben. Nur redet sich mein Gehirn halt schön, was nicht passt. Und wenn der Koffer voll ist, redet es sich ein, dass es schon auch ohne die erste Hilfe für schmerzende Beine und Rücken gehen wird.
Und was das Übergepäck angeht: Ich fürchte, da kommen wir nicht mehr raus. Es sieht schon aus, als würden wir umziehen, wenn wir nur ein Wochenende unsere Eltern besuchen. Für 11 Tage mit Neffen-Bespaß-Tag inklusive Schwimmbad und Urlaub in 3 Städten können wir schon froh sein, dass alles ins Auto gepasst hat, was wir für notwendig hielten (Wenn auch nur knapp, denn ich fahre einen Kia Picanto!). Backpacking werden wir sicher nie machen…
Spar lieber am Essen oder der Unterkunft als an Erlebnissen
Ich möchte gern alles. Sofort. Immer. Das betrifft auch den Urlaub. Am liebsten würde ich fürstlich übernachten, jeden Tag essen gehen, ohne auf den Preis zu schauen, und jede Sehenswürdigkeit, jede Tour und jedes Erlebnis mitnehmen, nach dem mir der Sinn steht.
Dass Geld nicht unendlich ist und all diese Wünsche große Löcher ins Budget reißen, ignoriert mein Gehirn dabei gern mal. Das hat durchaus zu… sagen wir: Diskussionen geführt. Denn wir hatten natürlich ein Budget, das wir nicht überschreiten wollten. Und es war klar, dass Erlebnisse Priorität haben.
So haben wir ohne mit der Wimper zu zucken jeden Eintritt bezahlt und uns am Ende sogar eine 4-stündige Schifffahrt rund um Potsdam gegönnt. Und das war genau die richtige Priorität. Mein Kopf (und meine Camera Roll) ist immer noch voll davon.
Damit das geht, haben wir an den Hotels gespart. Künftig würde ich vermutlich versuchen, ganz auf Hotels zu verzichten und entweder kleine Pensionen oder Ferienwohnungen zu buchen. Dann muss ich zwar auf das Hotel-Frühstück verzichten, aber wir können abends auch mal selbst kochen und so ein bisschen Geld sparen.
Mein Tipp: Sprecht vorher darüber, was euch jeweils wichtig ist, woran ihr nicht sparen möchtet im Urlaub. Glaub mir, das erspart dir unschöne Auseinandersetzungen im Ferienort.
Was hunderte Jahre existiert, läuft dir nicht weg.
Gerade Potsdam hat uns als Stadt so fasziniert, dass wir am Ende noch einen Tag drangehängt haben. Eine tolle Stadt, in der ich mir sogar vorstellen könnte zu wohnen! Und es gibt unendlich viel zu sehen.
Um das alles zu schaffen, waren wir jeden Tag von früh bis spät unterwegs:
- Tag 1: Innenstadt inkl. Nikolaikirche, Militärwaisenhaus, Holländisches Viertel
- Tag 2: Schloss Sanssouci, Neue Kammern, Neues Palais und der Park
- Tag 3: Bellevue, Schloss Cecilienhof, russisches Viertel
- Tag 4: Schifffahrt rund um Potsdam
Schon am zweiten Tag fiel es uns immer schwerer, aus dem Bett und in die Gänge zu kommen. Wir hätten dringend einen ruhigeren Tag zu Regeneration gebraucht. Aber die Angst, nicht genug zu sehen, etwas zu verpassen, hat uns angetrieben.
Das war blödsinnig. Die Schlösser, Burgen, Straßen, Seen, Flüsse und selbst Museen sind Jahre oder sogar Jahrhunderte, wo sie sind. Und voraussichtlich werden sie es noch eine ganze Weile bleiben. Sie laufen nicht weg. Wir hätten wiederkommen können.
Auch im Urlaub brauchen Kopf und Körper Pausen. Nicht vergessen!
Plan mehr als 1 Puffertag nach der Heimkehr ein
Wir kamen Sonntagabend daheim an – fix und fertig nach 11 Tagen auf den Füßen. Montag war ein Feiertag und Dienstag mussten wir beide wieder arbeiten. Das war viel zu wenig Puffer. Die Koffer lagen hier unausgepackt noch fast die ganze Woche im Weg rum. Die Füße taten dienstags immer noch weh und wir hätten uns ein paar Tage mit einem guten Buch und einem langsamen Ankommen gewünscht.
Wir haben die Puffertage aber vor dem Urlaub eingeplant, weil wir wussten, dass wir die Zeit zum putzen, packen und vorbereiten brauchen. Im Nachhinein glaube ich aber, der Puffer wäre am Ende des Urlaubs sinnvoller eingesetzt. Die Vorbereitungstage waren so oder so stressig. Daran hätte ein Tag weniger auch nichts mehr geändert. Hintendran wäre ein Tag mehr aber Gold wert gewesen.
Übrigens auch für meine Planung. Ich habe im Urlaub das BuJo dabei gehabt, aber nur um Fotocollagen als Tageserinnerungen einzufügen. Ich habe keinen Gedanken an meine ToDos oder Termine nach dem Urlaub verschwendet. Und am Montag war ich absolut planlos. Ich wusste nicht mehr, womit ich 2 Wochen zuvor an der Arbeit aufgehört hatte und womit ich am nächsten Tag weitermachen wollte. Spricht sehr für den Urlaub. Aber das Urlaubsgehirn direkt wieder zum Arbeitsgehirn machen zu müssen, war blöd. Und anstrengend.
Bleib flexibel
In Quedlinburg gibt es in der Stiftskirche einen Domschatz, der ungeheuer beeindruckend ist. Aber dort haben wir auch erfahren, dass ein paar Kilometer weiter westlich, in Halberstadt, der größte Domschatz außerhalb des Vatikans liegt. Wir haben kurz überlegt, einen Abstecher nach Halberstadt zu machen.
Dummerweise hatte ich aber alle Hotels vorab fest gebucht und wir konnten auch nicht mehr stornieren. Deshalb blieb für Halberstadt keine Zeit. Genauso wenig wie für Wernigeroder mit dem Schloss oder Gernrode mit der Stiftskirche, die das älteste Heilige Grab Deutschlands enthält. Alles Dinge, die uns vorher völlig unbekannt waren. Ich kannte zwar die Namen der Städte, weil ich aus Nordthüringen komme und das nicht weit weg ist. Aber für mich waren es unbedeutende Käffer im Harz (Und hiermit entschuldige ich mich für so viel Ignoranz!). Dass darin solche historischen Schätze liegen, war mir nicht annähernd bewusst.
Deshalb würde ich beim nächsten Mal, wenn wir einen Roadtrip in Deutschland planen, nur die erste Unterkunft fix buchen. Last Minute hätten wir in jeder Stadt noch eine Unterkunft gefunden – oft sogar günstiger als bei meiner Vorab-Buchung. Und so wären wir flexibel genug gewesen, den Überraschungen zu folgen, die die Reise mit sich brachte.

Hallo Anita, der Link zu den Packing Tubes funktioniert nicht.
Danke für den Hinweis. Jetzt sollte es hoffentlich klappen!