Neue Methoden aus der BuJo-Welt

Neue Methoden aus der BuJo-Welt

Die offizielle Bullet Journal Community um Ryder Carroll hat in den vergangenen Monaten einige neue Methoden und Strategien in die Welt gebracht. Mit Kerstin Schimetz habe ich darüber im Podcast gesprochen. Sie war der erste zertifizierte Bullet-Journal-Coach im deutschsprachigen Raum und ist eine absolute BuJo-Expertin. Hier kommen alle Neuerungen zum Nachlesen und Ausprobieren.

Du kennst das Rapid Logging, die Collections, Daily und Monthly sagen dir vermutlich auch etwas. Aber weißt du, wie Daily Logging geht? Oder was TAME und NAME im Bullet Journal bedeutet? Wenn nicht, mach es dir gemütlich – und hol dir vielleicht noch schnell dein BuJo, um Notizen zu machen. Das hier ist dein Text.

Rapid Logging mit NAME

Name ist eine Abkürzung und steht für die einzelnen Symbole, die wir beim Rapid Logging benutzen. Die meisten kennst du schon, denn die sind von Anfang an Bestandteil der BuJo-Methode. Aber das M in NAME ist neu, denn das steht für „Mood“, also „Gefühl“.

NAME steht insgesamt für:

N = Notizen (immer noch der Gedankenstrich)

A = Actions (früher: Aufgaben, immer noch der Punkt)

M = Mood (Gefühl, Gleichheitszeichen)

E = Event (Termin, Vorkommnis, immer noch der Kreis)

Als neues Symbol für Gefühle nutzt die BuJo-Methode das Gleich-Zeichen (=). Und warum brauchen wir das? Weil viele von uns Schwierigkeiten haben, Gefühle zu erkennen und richtig zu benennen. Durch das regelmäßig Notieren sollen wir wieder ein Gefühl für unser Gefühl bekommen, sozusagen. Du schreibst also auf, was du empfindest.

Kleine Hilfestellung, wenn du – so wie ich vor ein paar Jahren – über „ich fühle mich gut“ und „ich fühle mich scheiße“ nicht hinauskommst: das Gefühlsrad. Das kannst du googeln, als Poster kaufen und es gibt sogar Bücher dazu. Es listet von innen nach außen immer präziser Gefühle auf. Während im inneren Kreis nur Trauer, Freude, Überraschung, Liebe, Angst und Wut stehen, kannst du das weiter differenzieren, wenn du von dort aus auf dem Rad nach außen gehst.

Extra Tipp von mir: Ich unterteile bei Notizen noch mal in informative Notizen (meist beruflich) und persönliche Notizen. Für persönliche Notizen nutze ich ein Herz-Symbol für schöne und einen Blitz für unangenehme Dinge. So kann ich abgrenzen, was „Wissens“Notizen sind und was eine Art Tagebucheintrag ist. Das neue Moodsymbol nutze ich zusätzlich, aber vor allem im Daily Logging.

Interstitial oder Daily Logging

Über das Daily Logging, auch Interstitial Logging, habe ich im Magazin schon mal geschrieben – und erzählt, dass das für mich gar nicht funktioniert. Nach dem Gespräch mit Kerstin habe ich das noch mal probiert und bin verblüfft.

Aber von vorne: Was ist das überhaupt?

Beim Daily Logging schreibst du jedes Mal, wenn du etwas Neues beginnst, die Uhrzeit und die Aufgabe, das Event oder einfach ein Stichwort in dein BuJo. Dann machst du dazu Notizen und/oder schreibst den nächsten Schritt als Action/Aufgabe darunter und erfasst jetzt auch, wie du dich dabei fühlst. Danach kommt die Uhrzeit und die nächste Tätigkeit und so weiter.

Das klingt erstmal sehr aufwendig und irgendwie auch kontrollierend. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man das auf Dauer täglich durchhalten kann. Aber ich habe das in der letzten Woche – mit einer kleinen Anpassung – mal probiert und habe erstaunlich positive Effekte festgestellt.

Kleine Abwandlungen

Wichtig: Ich habe es nicht ganz so genau genommen. Ich habe nicht jede Minute meines Tages protokolliert. Wenn ich zwischen zwei Aufgaben ein bisschen gescrollt oder gelesen haben, habe ich das nur erfasst, wenn es länger als eine halbe Stunde dauerte. Damit kann ich mein Daily zwar nicht als perfektes Protokoll nutzen und kann auch nicht zwangsläufig ablesen, wie lange ich nun wirklich für bestimmte Aufgaben gebraucht habe. Aber dafür kann ich die Methode so in meinem Alltag durchhalten.

Die letzte Woche war bei mir auch noch sehr stressig. Der Hauptjob fordert mich gerade sehr und zusätzliche hatte ich an 3 Abenden Termine. Trotzdem hat das mit dem Daily Logging sehr gut funktioniert und ich habe festgestellt, dass ich:

  • bewusster mit meiner Zeit umgehe. Durch das Notieren achte ich tatsächlich mehr darauf, wo meine Zeit hingeht. Das war überraschend.
  • disziplinierter mit meiner Zeit umgehe. Gleichzeitig sorgt der bewusstere Umgang mit meiner Zeit auch für mehr Disziplin. Wenn ich merke, dass ich im Daily lange Zeitblöcke notiere, in denen ich nur rumdaddle, schaue ich genauer hin und finde schneller heraus, was los ist. Häufig hat das auch dazu geführt, dass ich aus der Paralyse schneller wieder heraus gefunden habe.
  • Alle Verpflichtungen endlich wieder sofort aufschreibe. Weil ich ja eh Notizen zu jeder Tätigkeit mache, habe ich endlich auch neue Aufgaben immer sofort im BuJo notiert. All diese „Das merk ich mir“ und „Das schreibe ich gleich auf, wenn ich hier fertig bin“ sind entfallen. Das war eine solche Erleichterung.

Ich kann dir also nur raten, das Daily Logging zumindest mal für ein paar Tage hier und da auszuprobieren – vor allem dann, wenn alles drunter und drüber geht. Es bringt erstaunlich viel Ruhe und Fokus in den Alltag.

Weekly

Nicht ganz neu, aber zumindest neu als offizieller Bestandteil der BuJo-Methode ist das Weekly. Ursprünglich gab es das Monthly und direkt danach das Daily – also eine Monats- und dann die Tagesübersicht. Viele BuJo-Nutzern wollten aber etwas dazwischen: einen größeren Überblick als das Daily bietet, aber weniger Überforderung als ein Monthly verursachen kann. Deshalb ist eine Wochenübersicht schon lange Bestandteil vieler Bullet Journals.

Jetzt hat Ryder Carroll aber seine eigene Version vorgestellt und die ist ebenso minimalistisch wie alle seine Collections: 1 Doppelseite, links die schriftliche Reflexion der vergangenen Woche – dazu kommen wir noch. Rechts eine Aufgabensammelliste. Letztere wird allerdings nur mit Aufgaben bestückt, die wirklich diese Woche erledigt werden müssen und können. Das ist keine Schaffe-ich-Wunschliste.

Ich selbst bin auch mit diesem minimalistischen Ansatz kein Fan von Wochenübersichten. Ich arbeite einfach nicht damit, weil ich ständig ins Weekly zurückblättern müsste. Ich mache zwar eine Wochenplanung, aber die findet im digitalen Kalender bzw. in TickTick statt. Im BuJo reicht mir dann das Daily und vorher ein vernünftiges Monthly.

CARE Filter

Der CARE-Filter ist ebenfalls ganz neu und du kannst ihn immer dann nutzen, wenn es ums Übertragen geht. Wenn du also das Daily des aktuellen Tages abschließt und dich fragst, was mit den unerledigten Aufgaben passieren soll. Oder wenn du deine Woche oder den Monat abschließt. Oder wenn du in ein neues BuJo ziehst…

Das Übertragen empfinden die meisten von uns als notwendiges, aber nerviges Übel. Dabei ist es als Achtsamkeitspraxis gedacht. Du sollst gar nicht wahllos alles, was offen ist, einfach übertragen. Du sollst jede einzelne Aufgabe ansehen und prüfen und dabei hilft der CARE-Filter. Der gibt dir nämlich Kriterien vor, um zu entscheiden, ob es sich lohnt, die Aufgabe zu übertragen.

CARE steht dabei für:

C = Control (Kontrolle; Liegt das in meiner Kontrolle?)

A = Able (Fähigkeit; Kann ich das tun?)

R = required (Notwendigkeit; Ist das dringlich?)

E = enlivening (Belebend; Tut es mir gut? Hat es Bedeutung für mich?)

Du musst nicht alle diese Punkte mit „Ja“ beantworten, um eine Aufgabe zu übertragen. Aber diese Kriterien im Kopf durchzugehen, erleichtert es dir, die wichtigen Dinge vom hektischen Alltagsrauschen zu trennen.

Wochenreflexion mit TAME

Auch für die Reflexion, mit der viele von uns so kämpfen, gibt es eine neue Methode und auch die hat eine Abkürzung: TAME. Tame (englisch) heißt so viel wie zähmen, bezwingen. Passend, wenn es darum geht, endlich eine regelmäßige Reflexion zu etablieren, oder?

TAME steht für:

T = tidy (aufräumen)

A = acknowledge (wahrnehmen, anerkennen)

M = migration (übertragen)

E = enact (durchführen, priorisieren)

Lass uns das mal Schritt für Schritt durchgehen. Tidy, also aufräumen, ist der erste Schritt. Geh die Dailies der vergangenen Woche durch und schau, wo noch Dinge offen sind. Ergänze eventuell Notizen und verschieb Aufgaben wieder ins Future Log, deine Sammelliste oder die nächste Woche. Anschließend folgt mit „Acknowledge“ der Hauptteil der Reflexion.

Intention setzen

Wichtig: Dieser Teil funktioniert erst dann wirklich gut, wenn du dir zu Beginn der Woche eine Intention gesetzt hast. Wenn du also festgelegt hast, was in der kommenden Woche dein Fokus sein soll.

Nimm jetzt eine neue Seite in deinem Bullet Journal und Teile sie in einen oberen und einen unteren Bereich. Nun gehst du deine Dailys noch mal durch (oder deine Erinnerungen) und notierst oben bis zu 3 Ereignisse, die deine Intention für die Woche unterstützt haben. In der unteren Hälfte notierst du bis zu 3 Ereignisse, die deine Intention behindert haben. Zu jedem Ereignis notierst du:

  1. Wie du dich dabei gefühlt hast (Mood-Symbol benutzen!)
  2. Was du daraus schlussfolgerst, lernst, erinnern möchtest (Notizen-Symbol)
  3. Den nächsten Schritt, den du in dieser Sache unternehmen möchtest (Action/Aufgaben-Symbol)

Wenn du keine Intention setzt, fällt es dir hinterher viel schwerer, Ereignisse zu identifizieren und zu bewerten. Alles wird schwammig und dann fühlt sich die Reflexion wieder nutzlos an. Das war für mich tatsächlich die wichtigste Anpassung.

Anschließend überträgst du deine nächsten Schritte zum Beispiel in dein Weekly oder Daily oder auf deine Sammelliste. Das ist die Phase „Migration“ und dann fehlt nur noch „Enact“, also umsetzen. In der Reflexion selbst bedeutet das zum Beispiel, die nächsten Schritte zu priorisieren oder vielleicht auch zu terminieren.

Ich habe diese Methode zu reflektieren, jetzt 3 Wochen hintereinander ausprobiert. Sie geht deutlich schneller als viele andere Methoden, die ich getestet habe. Sie ist gründlich. Aber vor allem ist sie sehr konkret. Ich habe nach der Reflexion wirklich eine Idee, was ich als nächstes tun oder zumindest testen kann, um in die richtige Richtung weiter zu gehen.