Ich musste eine Entscheidung treffen…

Ich musste eine Entscheidung treffen…

In den letzten Tagen hatte ich Zeit zum Nachdenken (etwas, das in den letzten beiden Jahren viel zu kurz kam). Und ich habe ein paar sehr ehrliche, aber nicht ganz einfache private Gespräche geführt. Das Ergebnis: Ich habe eine Entscheidung getroffen und Dinge werden sich ändern bei der Zeitplanerin. Weg von „mehr, neu, weiter“ zurück zum Kern. Wie das konkret aussehen wird und was die Hintergründe sind, erzähle ich dir jetzt.

Ich schaue aus dem Fenster, beobachte die Palmen, die sich im Wind wiegen und lausche ihrem Rascheln, das wie Wellenrauschen klingt. Und eigentlich würde ich es gern dabei belassen. Aber in meinem Kopf jagen sich die To-Dos: Magazin-Texte müssen geschrieben, das Magazin gelayoutet und verschickt, Podcast-Folgen aufgenommen und vorgeplant, Interviewtermine vereinbart, Statusupdates zur Monatschallenge in Dicord und Coworking-Erinnerungen auf Instagram gepostet werden…

Also sitze ich in meinem Urlaub im Hotelzimmer mit dem Laptop auf den Beinen und schreibe, poste, schneide, mache. Sogar das Ansteckmikrofon habe ich im Koffer. Und dann sagt mein Mann diesen Satz: „Du bist da, ohne wirklich da zu sein.“ Und nach dem ersten Impuls, der widersprechen, zurückweisen und ablenken will, muss ich schlucken, denn was er zum ersten Mal ausspricht, fühle ich seit Monaten, ohne es mir einzugestehen. Plötzlich ist klar: Ich kann so nicht weitermachen. Ich muss eine Entscheidung treffen.

Ich bin in meinem Leben nicht präsent

Mein Leben ist randvoll und viele Dinge, die es so voll machen, liebe ich. Gerade für die Zeitplanerin habe ich in den letzten Jahren so coole Projekte umgesetzt und mein Kopf spuckt jeden Tag neue Ideen aus. Deshalb habe ich lange gezogen, gedrückt, gequetscht, geschoben und gepresst, um weiterhin all diese tollen Dingen in meine 24 Stunden, meine 52 Wochen, meine 365 Tage zu bekommen. Ich wollte auf nichts davon verzichten. Eine Entscheidung für eine Sache sollte auf keinen Fall eine gegen eine andere sein. Also bin ich immer noch schneller und mit noch weniger Pausen losgestürmt, um alles unterzubekommen.

Dummerweise ist bei so viel Tempo innehalten nicht mehr drin. Aber nur wer innehält, erkennt, welchen Preis er (oder sie in meinem Fall) gerade zahlt. Das hole ich nicht ganz freiwillig gerade nach. In den letzten Tagen hier im Urlaub, wo die Alltagsorganisation wie kochen und putzen jemand anders übernimmt und der Hauptjob keine Zeit beansprucht, fällt mit auf, wie viel ich gemacht und wie wenig ich davon wirklich erlebt habe.

Treffen wir uns mit Freunden, bin ich mit einem Gedanken schon wieder zur Tür raus, bevor der Abend richtig begonnen hat. Möchte mein Mann einen Filmabend machen, lehne ich mit Verweis auf meine ADHS ab, die es mir doch eh so schwer mache, mich auf Filme zu konzentrieren. Gemeinsame Mahlzeiten finden kaum mehr statt, weil ich am Rechner esse, um nebenbei noch die eine Zeitplanerin-Mail beantworten oder das andere Video schauen zu können. Meine Familie besuche ich ein paar Mal im Jahr, aber dazwischen haben wir fast keinen Kontakt, weil ich Telefonate immer wieder aufschiebe.

Nicht alles ist ADHS

Und ja, all das IST teilweise meiner ADHS geschuldet. Aber es nur damit zu begründen, wäre a) unfair und b) schlicht unwahr. Mein Gehirn ist impulsiv, hat tendenziell 300 Tabs zu viel offen und daran kann ich kaum etwas ändern (solange ich keine Medikamente nehme). Aber meine Art, durch den Tag zu gehen, und die Entscheidungen, die ich treffe (oder eben gerade nicht treffe), verstärkt das im Moment noch. Ich öffne immer noch ein paar Tabs extra (ohne vorher andere zu schließen). Oder mache Dinge parallel, obwohl es mich unendlich erschöpft. Ich vergrabe mich in meinem Büro statt die unvermeidlichen Gehirnparalysen zu nutzen, um mich zu bewegen oder mich den Menschen zu widmen, die ich liebe.

Ich bin da, ohne je wirklich im jeweiligen Moment zu sein. Das ist nicht nur anstrengend für mich. Es gibt den anderen auch das Gefühl, dass sie unwichtig oder sogar lästig sind. Und allein beim Schreiben dieses Satzes kommen mir die Tränen, denn natürlich möchte ich diesen Eindruck nicht erwecken.

Deshalb muss sich etwas ändern. Und die Stellschraube, die den größten Effekt hat und über die ich die größte Kontrolle habe, ist die Zeitplanerin. Und die steht gerade ohnehin vor einem Wendepunkt.

Gestiegene Einnahmen werden zum Problem

Ich habe mit der Zeitplanerin genau eine Einnahmequelle: Die Werbung, die du vor den Podcast-Folgen hörst. Ursprünglich sollte die vor allem die Kosten decken. Podcast- und Website-Hosting, Canva- und Zoom-Lizenzen… die Idee war, das nicht jedes Jahr allein aus eigener Tasche bezahlen zu müssen. Inzwischen sind die Einnahmen aber so gestiegen, dass man mir – vor allem in Kombination mit meinem Marketing – Gewinnerzielungsabsicht unterstellen könnte. Und wenn ich das deutsche Steuerrecht richtig verstanden habe, müsste ich in dem Moment, in dem das passiert, ein Gewerbe (oder eine Freiberuflichkeit) anmelden, die Zeitplanerin also zum Business machen.

Die Entscheidung, welchen Weg ich einschlage, trage ich schon Wochen mit mir rum. Lange ohne Ergebnis. Ich habe genug Ego, um mich geschmeichelt zu fühlen von diesem Erfolg. Und genug Ideen, um vermarktbare Produkte zu entwickeln. Auf der anderen Seite habe ich einen stabilen, gut bezahlten Hauptjob, den ich sehr mag und nicht aufgeben will. Und ich bin ein gebranntes Kind, was die Selbstständigkeit angeht. Jederzeit verfügbar sein und liefern zu müssen, hat mich damals krank gemacht und – ehrlich gesagt – ich bin spätestens seit 2024 wieder auf dem besten Weg in dieselbe gesundheitliche Falle.

Gesundheitlich geht es bergab

2025 hatte ich lediglich 147 Tage ohne Kopfschmerzen (Stand 15.12.2025). Im Umkehrschluss bedeutet das: Insgesamt mehr als 7 volle Monate lang hatte ich Kopfschmerzen, sehr oft Migräne, immer wieder Attacken, die auf keine Medikamente ansprachen. Ich habe Migräne, seit ich 12 Jahre alt bin, aber so schlimm wie im vergangenen Jahr hat es mich noch nie getroffen. Hinzu kommen ständige Verletzungen, Gelenkschmerzen, häufige Entzündungen. Und ganz ehrlich? Nichts davon kommt überraschend.

Ich bewege mich jedes Jahr weniger. Von echtem Sport, also Bewegung, die Muskulatur und/oder das Herz-Kreislauf-System richtig belastet, fange ich gar nicht erst an. Ich koche kaum noch selbst, ernähre mich im besten Fall von Take out, im schlimmsten von belegtem Brot und Süßigkeiten. Ich schlafe oft kaum 6 Stunden am Stück und die auch noch viel zu spät, weil ich das Gefühl habe, dass die Nacht der einzige Teil des Tages ist, der nur für mich da ist und an dem ich nicht für andere liefern muss. Freunde, Familie und mein Partner fallen ständig hinten runter, weil ich die Arbeit und die Zeitplanerin vor allem anderen priorisiere. Und wenn ich dann mal Zeit habe und durchatmen könnte, kickt das schlechte Gewissen so hart, dass ich Zeit mit den Liebsten in die dünne Pause quetsche, statt mich auszuruhen.

Die Zeitplanerin bleibt, aber anders

Ich bereue die letzten 5 Jahre Zeitplanerin nicht und ich habe immer noch viel zu sagen, viel Wissen weiterzugeben, viele Perspektivwechsel anzubieten. Außerdem ist dieses Projekt mein kreativer Ausgleich. Also keine Sorge: Ich könnte nicht ohne die Zeitplanerin. Und ich könnte auch nicht ohne dich. Gerade der Austausch mit dir oder die Mails, die ich bekomme, wenn jemand durch meine Tipps endlich Erleichterung gefunden hat, geben mir unglaublich viel Energie. Deshalb habe ich auch nicht vor, aufzuhören. Die Zeitplanerin bleibt.

Aber in den letzten Jahren habe ich systematisch alle Dinge vor die Wand gefahren, die neben der Arbeit (bezahlt oder unbezahlt) wichtig sind. Ich bin jetzt 42 Jahre alt. Ich kann nicht mehr ewig Raubbau an meinem Körper und meinen Beziehungen betreiben, ohne dass sich das rächt.

Mein Wort des Jahres für 2026 lautet „Mut“ und meine erste mutige Entscheidung für das neue Jahr ist diese: Ich werde die Zeitplanerin zurückfahren. Ich werde kein Business daraus machen. Stattdessen werde ich meine zeitlichen Ressourcen ein Stück weit verschieben – weg von der Zeitplanerin, hin zu Gesundheit, Beziehungen, persönlicher Entwicklung und Pausen.

Die ersten beiden Maßnahmen, um das zu schaffen, greifen ab Januar:

  1. Die Vermarktung des Podcasts wird abgeschaltet. Keine Werbung mehr, damit keine Einnahmen und somit auch keine Pflicht, ein Business daraus zu machen.
  2. Das Magazin wird nicht mehr monatlich erscheinen. Vielleicht pegelt es sich irgendwann bei 6 Ausgaben im Jahr ein. Für 2026 reduziere ich aber radikal und werde nur noch eine Ausgabe pro Quartal produzieren.

Das Beste bleibt erhalten

Instagram habe ich ja schon eine Weile zurückgefahren. Daran ändert sich nichts. Wenn ich Zeit, Lust und Inspiration finde, gibt es Posts, vielleicht sogar hier und da ein Reel. Wenn nicht, sehen wir uns einfach spontan in den Storys.

Die besten Dinge aus dem Zeitplanerin-Universum aber bleiben:

  • Es wird weiter jeden Montag eine Podcast-Folge geben (wenn nicht gerade mein Host Ärger macht wie in den letzten Wochen).
  • Wir nutzen weiter Discord für den Austausch, Challenges, den Buchclub, Experimente usw..
  • Wir treffen uns weiter alle 2 Wochen zum Coworking, wenn auch vielleicht nicht immer mit mir persönlich.
  • Ich bin weiter per Mail ansprechbar für Fragen, Feedback und Unterstützung.
  • Es wird weiter spontane Aktionen geben wie Workshops per Zoom, Challenges und Co. Aber eben nach Lust und Kapazität, nicht nach Regelmäßigkeit.

Für dich fallen die Änderungen hoffentlich nicht allzu sehr ins Gewicht. Viele Magazin-Leser berichten mir, dass sie ohnehin kaum hinterherkommen mit dem Lesen. Vielleicht ist es also gar nicht dramatisch, wenn es weniger Ausgaben gibt. Und die Werbung vorm Podcast hast du vermutlich für mich hingenommen, aber dein Lieblingsteil der Folgen ist das hoffentlich nicht.

Für mich fühlen sich diese Änderungen aber wie richtig großer Schritt an – vielleicht weil ich so lange darüber nachgedacht habe und auch weil es so untypisch ist. Normalerweise wollen ja alle immer irgendwann mit ihrem Hobby Geld verdienen und sich bewusst in die andere Richtung zu bewegen, fühlt sich monumental an. Aber auch wie eine große Erleichterung

Und es ist die Chance, weitere mutige Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel Dinge wieder in Angriff zu nehmen, an denen ich schon so oft gescheitert bin, dass ich schon beim Gedanken daran einen Knoten im Bauch habe. So was wie Sport, Gewichtsreduktion, Ernährung, Haushalt, Schlaf, sich abgrenzen… Wir werden sehen. Ich nehme dich auf jeden Fall mit und halte dich auf dem Laufenden – vielleicht nicht hier im Magazin, aber ganz gewiss auf Discord, Instagram und im Podcast. Ich freue mich, dich dort zu treffen und wenn du mir ein Ohr leihst und wünsche dir einen fantastischen Start in dein neues Jahr.