Personal Curriculum

Personal Curriculum

Personal Curriculum – auf Social Media ist das in aller Munde und weil Neues zu lernen richtig gut klingt, wollte ich das auch ausprobieren. Doch was ist ein Personal Curriculum eigentlich? Und taugt das was? Das klären wir alles jetzt und ich erzähle dir, warum mein Personal Curriculum ausgerechnet am Zeitmanagement gescheitert ist.

Ich habe beim Aufbau meines ersten Personal Curriculum alles falsch gemacht. Ich hab nämlich Social Media für bare Münze genommen und im impulsiven Enthusiasmus einfach losgelegt statt erstmal zu recherchieren, was ein Personal Curriculum eigentlich ist.

Was ist ein Personal Curriculum?

Auf Social Media sieht das ungefähr so aus, wenn dir jemand sein Personal Curriculum vorstellt: „Such dir aus, was du lernen willst. Finde die Medien, aus denen du lernen willst. Und dann pack deine analoge, entschleunigende Lerntasche, die du überall mitnimmst und die dich am Ball hält.“ Spoiler: Das ist nicht, was ein Personal Curriculum, also einen persönlichen Lernplan wirklich ausmacht. Bevor wir also weitermachen und ich dir erzähle, wie ich das alles angegangen bin, lass uns mal klären, was ein Personal Curriculum nun wirklich ist:

Ein Personal Curriculum ist ein persönlicher Lehrplan, den man sich selbst erstellt und der vor allem die Dinge umfasst, die man freiwillig lernen will. Rein aus Interesse oder weil sie uns persönlich oder beruflich weiterbringen. Das Besondere: Du legst nicht nur fest, was du lernen willst, sondern auch wie, wann, wie lange und womit. Im Prinzip gibst du dir selbst wieder eine Struktur, wie du sie aus der Schule kennst, damit das Lernen nicht im geschäftigen Alltag immer wieder hinten runter fällt.

Mindestens so wichtig wie das Lernen selbst ist bei einem Personal Curriculum übrigens das Anwenden. So planst du nicht nur Zeit und Ressourcen ein, um Wissen zu sammeln. Du planst auch bewusst Zeit und Möglichkeiten, dieses Wissen anzuwenden, zu testen und zu verfestigen.

Mach nicht meine Fehler

Soweit zur Theorie. Die ich übrigens nicht kannte, als ich im April anfing, mir ein eigenes Personal Curriculum aufzubauen. Ich habe einfach 4 Oberthemen notiert, zu denen ich etwas lernen wollte, hab es auf ebenso ein paar Unterthemen heruntergebrochen und dann das Beste gehofft. Und das ging so richtig in die Hose:

  • Ich hatte keine Idee, ob ich das alles wirklich im April unterbringen kann, weil ich keine Idee hatte, wieviel Zeit ich für die einzelnen Themen aufbringen muss.
  • Ich hatte keine Idee, welche Ressourcen ich zum Lernen verwenden will und habe erstmal Zeit verschwendet, um passende Texte, Podcast, Youtube-Channels usw. zu recherchieren, als ich Zeit zum lernen hatte.
  • Ich wollte im April durch sein, habe aber keinen Plan gemacht, mit welchem Thema ich anfangen will oder was wann dran ist und wieviel Zeit ich dafür investieren will.
  • Ich hatte keine Strategie das Gelernte Wissen anzuwenden oder weiterzugeben, um es zu vertiefen.

So scheiterte mein Personal Curriculum

Entsprechend war es eher Zufall, dass ich Ende April zumindest irgendwas gelernt hatte. Aber frustrierenderweise habe ich von meinen 4 Oberthemen keins abschließen können.

Was ich mir vorgenommen hatte:

  • Oberthema KI
    • KI und Urheberrecht
    • KI und Halluzinationen
    • Richtig prompten
  • Oberthema Selbstmanagement
    • Pacing
    • Premortem / Prospective Hindsight
    • Advanced Implementation Intentions
    • Temptation Bundling
  • Oberthema SQL
    • SQL Island durchspielen
  • Oberthema Erholung
    • Erholung mit ADHS
    • Meditation 1 Woche täglich
    • Neue Entspannungsmethoden
    • Mini-Nichtstuer-Pausen testen
    • Täglich Morgenseiten schreiben

Was ich Ende April tatsächlich gelernt hatte:

  • KI und Urheberrecht (mega interessant!)
  • Tägliche Morgenseiten
  • Mini-Nichtstuer-Pausen

Trotzdem habe ich gemerkt, dass es mir gut tut, aktiv zu lernen. Meine Neugier anzutreiben und unerwartete Dinge zu entdecken, hat dafür gesorgt, dass sich mein Leben wieder ein bisschen aufregender und lebendiger anfühlte. Also wollte ich das beibehalten, aber ohne den Frust.

Was ich im Mai anders gemacht habe

Ich habe mir also auch für Mai ein Personal Curriculum geschrieben, bin die Sache da aber schon anders angegangen (auf die Idee, mal zu recherchieren, wie es richtig geht, bin ich aber immer noch nicht gekommen). Statt super-spezifische Unterthemen habe ich mir nur 4 Oberthemen ausgesucht und bei der Auswahl der Lernfelder habe ich mich wirklich auf Dinge beschränkt, auf die ich jetzt gerade Lust habe. Ich hab also deutlich weniger „Das müsste ich lernen“ auf der Liste gehabt. Außerdem habe ich schon während der Planung Ressourcen notiert, um direkt loslegen zu können, wenn ich dann Zeit zum Lernen hätte.

Das hat alles geholfen. Ich habe im Mai viel mehr meiner Themen bearbeitet als im April. Trotzdem fiel die Hälfte hinten runter und gleichzeitig habe ich immer wieder Ausflüge in völlig unerwartete Themenfelder gemacht, die gar nicht auf dem Plan standen. Einfach, weil irgendwas meine Neugier angetrieben hat.

Ich habe schon Mitte Mai bemerkt, dass ich ohne konkreten Lernplan, der zeitlich zumindest grob festlegt, wann ich was lerne, nicht zurechtkommen werden. Gleichzeitig sträubte sich alles in mir dagegen, denn dann fühlt sich das Lernen wie eine Pflicht an und ich will mir ja gerade die Neugier und Leichtigkeit erhalten.

Und wie lief es im Juni?

Deshalb habe ich auch im Juni keinen Lernplan geschrieben. Und auch im Juni habe ich mit 5 Themen noch viel zu viel auf dem Zettel. Aber zwei kleine Änderungen sorgen wieder für mehr Spaß:

  1. Ich hab vorher ein halbes Dutzend ganz konkreter Quellen – vom Buch bis zur Podcast-Folge – rausgesucht, die ich hören will und im BuJo abhaken kann.
  2. Ich habe 6 verschiedene LLMs (Large Language Models, also Text-KI) gebeten, mir einen Lernplan zu einem Spezialthema aufzusetzen, das exakt null konkreten Nutzen hat, mich gerade aber brennend interessiert.

Gleichzeitig habe ich den Anspruch ein bisschen verändert und statt „Ich will das Thema abschließen“ eher ein „Ich möchte mehr dazu lernen“ definiert. So sinkt der Druck und ich kann wieder mit reiner Neugier rangehen, aber auch einfach abbrechen, wenn es mich langweilt.

KI nutzen für dein Curriculum

Ich weiß, ich weiß, jetzt willst du mehr über die KIs hören. Das hier war mein Prompt, den ich ChatGPT, Claude, Mistral, Copilot, Gemini und Perplexity vorgegeben habe:

Alle 5 haben mir thematisch einen sehr ähnlichen Lernplan geschrieben:

  1. Historische Zusammenhänge
  2. Silhouette, Schnitte, Material, Designer
  3. Accessoires
  4. Frisuren und Make up
  5. Ikonen, Alltag vs. Hollywood

Alle KIs haben die Aufgabe erfüllen können. Obwohl das zunächst nur als „Spiel“ begann, hat mir das wirklich geholfen, denn allein hätte ich mich verzettelt, hätte ich nur nach „Mode der 50er Jahre“ gesucht. So habe ich konkrete Schlagworte und Vorschläge für Quellen, an denen ich mich entlang hangeln kann.

Und wenn du mich jetzt fragst, welche KI ich dafür empfehlen würde: Claude.

Nicht, weil Claude inhaltlich am besten wäre. Da funktionieren alle ganz gut. Gemini und Copilot blieben mit Abstand am oberflächlichsten, Perplexity ist am anstrengendsten zu lesen. Aber im Großen und Ganzen waren alle Ergebnisse brauchbar. Claude präsentiert sie aber am schönsten, nämlich als einzelne Lektionen, die man im Überblick sieht und einzeln aufklappen kann:

Das ist viel weniger überwältigend als die Textwand, die alle anderen Anbieter ausspucken.
Interessant sind die angegebenen Quellen. Einige tauchen in jeder KI auf (wie das Victoria and Albert Museum), aber andere sind sehr unterschiedlich. So habe ich aus den 6 KIen eine sehr große Sammlung an Ressourcen, mit denen ich jetzt weitermachen kann.

Und zugleich habe ich ein neues Problem: Das ist nur ein einziges Thema. Ich wollte im Juni 5 bearbeiten. Finde den Fehler…

Warum ich trotzdem ein monatliches Personal Curriculum aufsetzen

Inzwischen habe ich zwar die offizielle Definition für ein Personal Curriculum gelesen und gemerkt, dass mein Vorgehen nicht so richtig funktioniert, aber ich kenne auch mein Gehirn. Um dranzubleiben, muss ich dafür sorgen, dass sich die Dinge ab und an neu anfühlen und ich sie gleichzeitig immer vor Augen habe.

Und so muss sich auch Lernen für mich immer wieder ein bisschen neu anfühlen und präsent bleiben. Deshalb setze ich also weiter jeden Monat einen persönlichen Lernplan in meinem Bullet Journal auf. Allerdings habe oder werde ich diese Dinge anpassen:

  1. Ich nehme mir maximal 3 Themen pro Monat vor.
  2. Ich habe die großen Lernfelder definiert, die ich irgendwann in diesem Leben bearbeiten will. Und in den Lernfeldern habe ich konkrete Themen vorgeschlagen, damit ich darüber nicht jeden Monat neu nachdenken muss.
  3. Ich höre auf, das Lernen zu tracken (also das Wann und Wie viel), weil es mir die Neugier und den Spaß ruiniert.

Und was kommt nach dem Lernen?

Die heiße Phase im Personal-Curriculum-Test wartet aber noch auf mich: Theoretisches Wissen in praktische Anwendung verwandeln. Das ist übrigens der Teil, der auf Social Media nie behandelt wird. Aber Wissen nur zu erfassen, hilft dir nicht.

Früher hat man etwa in Harvard bei der Ausbildung von Chirurgen nach dem Motte „See one, do one, teach one!“ gelehrt. Die angehenden Mediziner sollten eine Operation also erstmal beobachten, irgendwann selbst durchführen und am Ende jemand anderem beibringen. Mit diesem Ansatz ist man zwar inzwischen vorsichtiger, wenn es um Menschenleben geht. Grundsätzlich ist da aber etwas dran: Wenn du etwas einem anderen erklärst, merkst du sofort, ob du es wirklich verstanden hast oder ins Schwimmen kommst.

Ich habe also ganz viel Wissen gesammelt (Bücher, Videos, Podcasts) und ein bisschen davon auch schon ausprobiert (Parfums, Prompting für KI,…) und teilweise mit dir geteilt (Discord und Instagram oder Podcast). Aber alles irgendwie zufällig. Mein Fokus lag auf dem Sammeln von Wissen. Und das muss sich ändern, glaube ich.

Im Juli werde ich also weniger Themen bearbeiten, dafür aber versuchen, Neugelerntes zu jedem Thema in meinem Alltag anzuwenden und dann vielleicht auch weiterzugeben. Schau also ab und an mal auf zeitplanerin.de vorbei. Ich weiß noch nicht wie, aber vielleicht werde ich dort eine kleine Lern-Seite aufbauen und dich mit Updates versorgen.

Warum mache ich das?

Sei ehrlich: Wenn du bis hierher durchgehalten hast, hast du jetzt das Gefühl, das ist alles viel zu aufwendig und anstrengend? Kann ich verstehen. Hatte ich zwischendrin auch. Immer wieder. Warum mache ich das also trotzdem?

Weil „Neues“ für mich der einfachste Weg ist, meinen Alltag lebendig zu gestalten. Alles was Neu ist, findet mein Gehirn erstmal toll. Und Lernen ist immer mit etwas Neuem verbunden. Darüber hinaus finde ich es einfach auch spannend, wie viele Themen es gibt, über die ich mir noch nie Gedanken gemacht habe und wie tief man einsteigen kann, wenn man sich richtig mit einem Thema beschäftigt.

Ich lerne, weil es mir wirklich Spaß macht. Ich schreibe mir ein Personal Curriculum, damit ich nicht vergesse, dass mir das Lernen Spaß macht und ich jederzeit Inspiration habe, was ich mir als nächstes genauer ansehen will.

Wird das jetzt auf ewig so strukturiert aussehen wie aktuell? Sicher nicht. Bei mir ist immer alles im Wandel und wenn sich das Personal Curriculum irgendwann schwer und einengend anfühlt, dann hat es ausgedient und muss abgelöst werden. Aber für den Moment ist es genau was ich brauche: Ein Werkzeug, um das Lernen zu einer regelmäßigen Institution in meinem Alltag zu machen.

Checkliste für dein Personal Curriculum

Wenn du jetzt auch Lust aufs Lernen bekommen hast und einen persönlichen Lernplan erstellen willst, kannst du folgendermaßen vorgehen:

  • Überlege, was du an dir und/oder deinem Leben ändern willst. Schreib es auf, so konkret wie möglich
  • Leite davon Lernfelder ab, also grobe Themen, in denen du mehr Wissen oder Können erwerben möchtest
  • Brich die Lernfelder auf einzelne Themen herunter. Vergiss nicht: Nicht jedes Thema muss einen Nutzen haben. Dass es dich interessiert, reicht, um es in dein Curriculum aufzunehmen.
  • Wähl maximal 3 Themen aus, denen du dich im nächsten Monat widmen willst
  • Überleg dir, welche Ressourcen du zum Lernen nutzen willst. Wähl auch solche aus, die dir das Lernen unterwegs oder nebenbei ermöglichen wie Podcasts. Das macht es leichter, Zeit zum Lernen zu finden. Frag die KI und/oder leg eine Ressourcenliste an, damit du nicht ewig suchen musst, wenn du eine Lernphase hast.
  • Plan jede Woche, wenn du deine Wochenplanung machst, Lernzeiten ein. Wichtig: zweimal 15 Minuten sind mehr als du jetzt hast. Das ist also wertvoll. Lernen kannst du in wenigen Minuten (Schau dir Duolingo an!). Du musst nicht warten, bis du Stunden Zeit hast, um loszulegen. Alternativ (wenn du ohnehin zu neugierig bist, um NICHT zu lernen): Lass dich treiben, aber verpass die Gelegenheiten nicht, Neues zu lernen.
  • Protokolliere, was du gelernt hast (Das ist etwas anderes als zu tracken, wann und wie viel du gelernt hast!). Erstens hilft es, dranzubleiben, wenn du deine Fortschritte siehst. Zweitens hilft es dir, das Gelernte später zu üben und anzuwenden, wenn du auf Kurznotizen zurückgreifen kannst.
  • Entscheide, wie du das Gelernte in den Alltag übersetzen und üben kannst.