Die 10-10-10-Methode

Die 10-10-10-Methode

Wenn es dir schwer fällt, Entscheidungen zu treffen oder du an jeder Entscheidung wochenlang zweifelst, dann brauchst du ein Tool, dass dir die Sache erleichtert. Probier doch mal die 10-10-10-Methode aus.

Roter oder blauer Pulli? Coaching oder Online-Kurs? Kuchen oder Salat? Ok, warte, streich das! Bei der Wahl zwischen Kuchen oder Salat fällt mir die Entscheidung in der Regel leicht. Aber sonst …

Leider ist die Entscheidung für eine Sache meistens auch eine GEGEN eine andere. Und was, wenn diese andere Entscheidung doch die bessere gewesen wäre? Dieses Dilemma führt dazu, dass ich tagelang recherchiere, aufliste, abwäge – und dann doch total überfordert aus dem Bauch heraus irgendwas entscheide, um den Druck los zu werden.

Wenn es dabei nur um die Farbe des Pullis geht, ist das schon in Ordnung so. Wenn es aber um Entscheidungen geht, an denen finanziell oder persönlich größere Konsequenzen hängen, ist eine 50-50-Chance keine optimale Entscheidungsgrundlage.

Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich das erste mal von der 10-10-10-Methode gehört habe. Sie geht zurück auf die amerikanische Autorin und Speakerin Suzy Welch und hilft uns, Entscheidungen zu treffen, indem wir uns die Konsequenzen ausmalen.

Dabei gehst du wie folgt vor:

Frag dich, wie du dich mit deiner Entscheidung in…

… 10 Minuten

… 10 Monaten

… 10 Jahren

fühlen würdest!

Die 10-10-10-Methode am Beispiel

Lass uns ein Beispiel ansehen.
Du betreibst seit einiger Zeit einen Nähblog und der ist inzwischen sehr erfolgreich. Nun überlegst du, ob du das Hobby zu einem Side Business wandeln sollst – Online-Nähkurse anbieten, einen kleinen Shop für deine selbstgenähten Kleider aufbauen, bezahlte Kooperationen mit Stoffherstellern eingehen oder Bücher schreiben. Du hättest große Lust und fändest es toll, wenn dein Hobby, in das du viel Zeit steckst, ein bisschen Geld einbrächte. Gleichzeitig hast du Angst davor, dass die Freude auf der Strecke bleibt, wenn du nähen MUSST. Du überlegst hin und her, kannst dich aber einfach nicht entscheiden.

Nun nutzt du die 10-10-10-Methode und fragst dich

Wie würde ich mich in 10 Minuten fühlen, wenn ich mich entscheiden würde, aus dem Blog ein Geschäft zu machen? Was hätte die Entscheidung in den nächsten 10 Minuten für Konsequenzen?

Du würdest vielleicht feststellen, dass du aufgeregt wärst, euphorisch, aber immer noch zugleich panisch und verunsichert

Welche Konsequenzen hätte die Entscheidung für das Geschäft in 10 Monaten?

Du malst dir aus, wie du die ersten Kleider und Kurse verkauft und die ersten Kooperationen geschlossen hast. Wie stolz du bist, weil du langsam Geld verdienst. Wie sich langsam herumspricht, dass es dein Geschäft gibt und immer mehr Menschen begeistert dein Angebot nutzen. Wie ein Verlag dir ein Angebot für ein Buch unterbreitet und Menschen Bilder auf Instagram posten, auf denen sie deine Kleidung tragen.

Gleichzeitig rechnest du aus, wie hoch deine Kosten wären – durch Steuerberater, Webentwickler, Abgaben, Verpackungsmaterial, für das du in Vorleistung gehen musst. Du weißt, dass du diese Kosten aus deinen Ersparnissen decken musst, wenn du nicht genug einnimmst. Das macht dir wieder Angst. Außerdem hast du vor Augen, wie erschöpft du dich in 10 Monaten fühlen wirst, weil du deinen Vollzeitjob und das Side Business unter einen Hut bringen und trotzdem deiner Familie viel Aufmerksamkeit widmen willst. Du spürst, wie zerrissen du dich fühlen würdest.

Welche Auswirkungen hat die Entscheidung für das Geschäft in 10 Jahren?

Du stellst dir vor, dass du es in 10 Jahren geschafft hast, dein Geschäft so groß zu machen, dass es inzwischen dein Hauptjob geworden ist. Du hast vielleicht ein paar Angestellte und hast wieder so viel Flexibilität in deinem Leben, dass du Job und Familie besser als je zuvor unter einen Hut bekommst. Gleichzeitig wirft das Geschäft so viel ab, dass ihr gut davon leben und euch sogar regelmäßig einen kleinen Luxus leisten könnt. Du hast dir einen Namen gemacht, inzwischen zwei Nähbücher geschrieben und bietest Online-Kurse zu nahezu jedem Nähthema an, das man sich vorstellen kann.

Aber du merkst auch, dass du in den Jahren Freunde verloren hast – die einen, weil sie deinen Weg nicht mitgehen wollten, die anderen, weil du einige Jahre kaum Zeit für sie hattest. Neue Freundschaften zu schließen, ist auch schwierig, weil du wenig Zeit hast und bei den üblichen Themen (blöde Arbeit, nerviger Chef, Kollegentratsch) nicht mehr mitreden kannst (oder eben die Chefin bist und deshalb nicht eingebunden wirst). Du bist erfolgreich, fühlst dich aber ein bisschen einsam.

Dieselbe Übung machst du jetzt noch einmal, allerdings für den Fall, dass du dich GEGEN ein Geschäft entscheiden würdest. Wie würdest du dich damit in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren fühlen? Was würde das für dein Leben, dein Einkommen, deine Familie bedeuten?

Am Ende kannst du beide Szenarien vergleichen und siehst – vor allem, wenn du die Übung schriftlich machst – meist sehr klar, in welche Richtung dein Bauchgefühl ausschlägt.

Die Risiken der 10-10-10-Methode

Aber genau darin liegt aus meiner Sicht auch die Schwachstelle der 10-10-10-Methode. Wenn du sie einfach nur aus dem Bauch heraus machst, schaffst du damit keine vernünftige Entscheidungsgrundlage, sondern verlierst dich in Träumereien.

Damit die Methode dir wirklich hilft, klügere Entscheidungen zu treffen, musst du zwei Voraussetzungen erfüllen:

  1. Du musst deine eigenen Ziele und Prioritäten kennen. Du musst also wissen, was dir ganz persönlich wichtig ist und was du erreichen möchtest.
  2. Du musst die Fakten zu der anstehenden Entscheidung kennen. Und zwar wirklich kennen, nicht vermuten.

Für unser Beispiel bedeutet das also, du musst wissen, was du erreichen möchtest (finanzielle Unabhängigkeit, Freiheit, hohen Status, große Familie, viel soziale Interaktion, ein entspanntes Leben, Luxus,…). Es gibt hier kein Richtig und Falsch. Du musst das nicht mal jemandem erzählen und dich erst recht nicht dafür rechtfertigen, du musst es nur für dich ehrlich herausfinden, damit du deine Entscheidungen danach ausrichten und diese Prioritäten ausleben kannst.

Wenn eines deiner wichtigsten Ziele eine große Familie und ein aktives Sozialleben ist, dann ist der Punkt, der dir zeigt, wie wenig Zeit dir ein Business anfangs für Freunde und Familie lässt, vermutlich so abschreckend, dass du dich eher GEGEN das Geschäft entscheidest. Wenn deine Prioritäten in Unabhängigkeit und Freiheit liegen, dann beflügelt dich die Aussicht, in 10 Jahren so erfolgreich zu sein, dass du selbst entscheidest, wann und wie du arbeitest, vielleicht so sehr, dass du alle Risiken und Schwierigkeiten in Kauf nimmst und dich FÜR das Geschäft entscheidest.

Gleichzeitig musst du VORHER die Fakten kennen: Gibt es einen Markt für deine Angebote? Kaufen die Leute sowas? Zu welchen Preisen? Was kostet es, ein Geschäft aufzubauen? Was musst du rechtlich beachten? Solche Fragen musst du vor der 10-10-10-Übung geklärt haben, weil deine Visionen sonst auf sehr schwammigem Boden stehen.

Fazit: Auf jeden Fall einen Versuch wert!

Mir hilft die 10-10-10-Methode sehr, mir klarer zu werden, in welche Richtung ich gehen will und so Entscheidungen schneller zu treffen – und danach nicht mehr ständig an ihnen zu zweifeln. Allerdings ist mir natürlich immer bewusst, dass sich die Zukunft nie wirklich vorhersagen lässt. Die Entscheidung kann und wird auch ganz andere Auswirkungen haben, als die, die ich mir in der Übung ausgemalt habe. Trotzdem funktioniert die Methode – und du kannst sie vor allem überall und jederzeit anwenden.  Ich empfehle dir lediglich, sie schriftlich zu machen, damit du deine Varianten später noch mal durchlesen kannst. Mit etwas Abstand erkennst du nämlich noch klarer, wie du dich entscheiden willst (oder wie dein Herz eigentlich schon entschieden hat).

Kennst du die 10-10-10-Methode schon? Oder nutzt du ein anderes Tools, um leichter Entscheidungen zu treffen? Dann verrat es mir gern in den Kommentaren!

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