Surviving Homeoffice: 11 Tipps, um produktiv und gelassen zu bleiben

Surviving Homeoffice: 11 Tipps, um produktiv und gelassen zu bleiben

Homeoffice. Seit fast einem Jahr arbeitest du von zu Hause aus. Du merkst, dass deine Produktivität nachlässt. Die Ruhe und Ungestörtheit, die am Angang so ein Genuss war, bedrücken dich jetzt. Dir fehlen Struktur und Austausch. Du bist überfordert und am Ende deiner Kräfte. Aber du bist nicht allein und mit diesen 11 Tipps bleibst du auch im Homeoffice gelassen und produktiv.

Fast ein Viertel aller Arbeitnehmer arbeitete in den letzten Monaten ausschließlich von zu Hause aus. Das sind mehr als 10 Millionen Menschen. Dazu kommen über 8 Millionen, die zumindest einige Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. Nur zum Vergleich: Vor Corona arbeiteten nur knapp 4 Prozent der Angestellten daheim. Der Wechsel war rasant, ungeplant und in vielen Fällen ungewollt.

Trotzdem zeichnen die meisten Studien ein eher positives Bild: Die Befragten genießen die eingesparte Pendelzeit, finden, dass sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen und glauben, dass sie ihre Arbeit daheim effizienter organisieren können als im Büro. Aber zugleich fällt den Allermeisten das Abschalten nach Feierabend schwer. Beruf und Freizeit vermischen sich. Und wenn zum Homeoffice auch noch Homeschooling kommt, ist die Belastungsgrenze sehr schnell überschritten.

Damit du trotzdem den Überblick (und die Nerven) behältst, kommen hier meine 11 wichtigsten Tipps für die Arbeit im Homeoffice:

Gerade, wenn du Kinder hast, die du derzeit auch noch daheim betreust, ist ein normales Arbeiten gerade einfach nicht möglich. Du kannst dich nicht aufteilen, einen Klon hast du nicht und das Weltall spendiert dir auch keine 25. und 26. Stunde pro Tag, nur weil du sie dringend bräuchtest. Natürlich kannst du dich jetzt aufreiben, um allem und allen gerecht zu werden. Am Ergebnis ändert das aber nichts: Es geht einfach nicht.

Deshalb akzeptiere, dass du im Moment nicht leisten kannst, was du von dir selbst gewohnt bist. Sprich mit deinem Chef, um gemeinsam Kompromisse zu finden. Vielleicht kannst du deine Arbeitszeit über den Tag aufteilen oder vorrübergehend deine Stunden runterschrauben. Aber vor allem: Sei wertschätzend zu dir selbst.

Wenn man nicht gemeinsam im Büro sitzt, macht sich schnell Unsicherheit breit, wann der Kollege eigentlich erreichbar ist. Schließlich willst du nicht in seiner Pause stören. Gleichzeitig ist es auf Dauer – auch gesundheitlich – belastend, wenn dir dein Chef regelmäßig Nachrichten schickt, obwohl du eigentlich schon Feierabend gemacht hast. Und: Viele Arbeitnehmer arbeiten länger, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie würden sich im Homeoffice ausruhen.

Kommuniziert im Team deshalb genau, wie und wann ihr arbeitet. Wenn ihr keine festen Arbeitszeiten habt, driftet ihr jetzt im Homeoffice vielleicht deutlicher auseinander als früher im Büro. Einfach, weil ihr stärker nach eurem Biorhythmus arbeiten könnt. Das ist auch kein Problem – so lange es ausgesprochen ist. Wenn der Frühaufsteher im Team gern schon morgens, 6:30 Uhr, am Schreibtisch sitzt, dafür aber nachmittags eher geht, muss der Rest der Mannschaft das wissen. Und wenn du lieber in Ruhe frühstückst und langsam in den Tag startest, dafür aber auch nach 17 Uhr noch gut erreichbar bist, gilt dasselbe.

Auch dein Chef kann jetzt mitteilen, wenn es aus Unternehmenssicht zum Beispiel gewünscht ist, dass ihr euch an eine Kernarbeitszeit haltet. Er ist außerdem auch dafür verantwortlich, dass ihr euch an das Bundesarbeitszeitgesetz haltet, muss also gewährleisten, dass ihr nicht zu viel arbeitet. Auch das ist nur möglich, wenn ihr die Arbeitszeiten offen und transparent festlegt.

Das Kaffeeküchen-Gespräch über das aktuelle Projekt, die schnelle Zwischenstandsmeldung im Flur, das „Kannst du dir das mal ansehen“ über den Bildschirmrand – alles ist weggefallen und lässt sich digital nur bedingt auffangen.

Vielleicht hast du deshalb das Gefühl, dein Chef oder deine Chefin glaubt, du würdest dir einen Lenz machen. Oder vielleicht kontrolliert er oder sie dich viel stärker und du interpretierst das als Misstrauensvotum oder Kritik an deiner Arbeit. Vielleicht steckt aber auch nur Unsicherheit dahinter – oder die Angst, als Chef überflüssig zu sein.

Was auch immer der Grund ist, miese Stimmung im Team braucht ihr jetzt nicht auch noch. Das lässt sich vermeiden, wenn du klare Zielvereinbarungen mit deinem Chef triffst. Vielleicht könnt ihr das sogar reihum im Teammeeting festlegen.

Definiert genau, welche Aufgaben du bis Ende der Woche erledigen wirst. Welche Projektziele werden erreicht? Was musst du dafür konkret tun? Wie hoch ist der Aufwand für die einzelnen Punkte. Wann und mit wie vielen Details möchte dein Chef über den Zwischenstand informiert werden?

Auf diese Weise weißt du genau, was von dir erwartet wird, kannst aber ohne ständige Kontrolle in Ruhe arbeiten. Gleichzeitig kann sich dein Chef entspannen, weil er deine Arbeit in messbare Größen packen kann.

Egal, ob es um deine Kollegen oder deine Kinder geht (manchmal sind die einen wie die anderen): Wenn sie dich immer wieder aus der Konzentration reißen, stresst dich das nicht nur. Es ist auch Gift für deine Produktivität, weil du lange brauchst, um wieder in den Fokus zu kommen.

Leg deshalb Fokuszeiten fest – also Zeiten, in denen du konzentriert arbeitest und nur im absoluten Notfall gestört werden darfst.

Du kannst dafür entweder feste Zeiten vereinbaren – also zum Beispiel an jedem Werktag zwischen 9 und 11 Uhr. Oder du etablierst ein Zeichen, das allen anzeigt, dass du jetzt nicht ansprechbar ist.

Letzteres ist mit den Kollegen vermutlich einfacher umsetzbar als mit deiner Familie: Setz einfach deinen Status im Teamchat auf „beschäftigt“ und sprich im Teammeeting an, dass du das nur machst, wenn du wirklich nicht erreichbar bist. Zu Hause kannst du dir ein „Bitte nicht stören“-Schild für deine Bürotür basteln. Oder – so arbeitete die IT bei einem meiner früheren Arbeitgeber – du stellst eine Quietsche-Ente auf den Tisch, wenn du dich konzentrieren musst. Alternativ kannst du auch ein bestimmtes (großes!) Spielzeug deiner Kinder benutzen. Es ist ja nur ein Symbol, ein Zeichen für die Familie, dass du jetzt Ruhe brauchst und nicht abgelenkt werden möchtest.

Manchmal sind wir für Störungen, die uns aus der Konzentration reißen, aber auch selbst verantwortlich. Push up Notifications, E-Mail-Benachrichtigungen, Chat-Meldungen, Newsticker… Jede einzelne davon sorgt für Stress in deinem Gehirn, weil sie wie ein Mini-Alarm wirkt. Und du brauchst entweder viel Willenskraft (und damit Hirnkapazität), um zu widerstehen und trotzdem bei deiner Aufgabe zu bleiben. Oder du unterbrichst dich unendliche Male, bevor du deine Arbeit endlich abschließen kannst.

Beides ist nicht hilfreich.

Eliminiere deshalb Störungen so weit du kannst:

  • Schließ das Mailprogramm, wenn du gerade an etwas anderem arbeitest
  • Schalt die Notifications aus und das Handy lautlos oder versetz es in den Flugmodus
  • Schließ alle anderen Anwendungen, die du gerade nicht brauchst
  • Setz deinen Status im Teamchat auf „beschäftigt“, „nicht stören“ o.ä.
  • Nutz Noise-Cancelling-Kopfhörer oder Ohropax, um Störgeräusche auszublenden
  • Arbeite mit dem Blick zur Wand oder zum Fenster, wenn du daheim kein Arbeitszimmer hast. Blickst du in den Raum, ist die Gefahr groß, dass du dich von all dein Haushalt-To-Dos ablenken lässt, die du da siehst.

Videokonferenzen sind momentan deine einzige Chance, deine Kollegen zu sehen. Das einzige Stück „Socializing“, das noch möglich ist. Das ist wichtig. Aber Video- oder Telefonkonferenzen sind auch Zeitfresser. Vor allem, wenn du in der Woche mehrere davon unterbringen musst.

Wenn du vormittags eine Stunde mit dem Projektteam brainstormst und nachmittags mit dem Kunden telefonierst, wirst du dazwischen nicht viel schaffen. Die Zeit ist zu kurz für wirklich produktives Arbeiten, aber zu lang nur für eine Pause. Es entsteht entweder Leerlauf oder du musst ständig deine Arbeit unterbrechen.

Versuch deshalb die verschiedenen Konferenzen an einem oder zwei Tagen in der Woche zu bündeln. An diesen Tagen nimmst du dir dann eben keine großen zusätzlichen Aufgaben vor.

Das gilt übrigens nicht nur fürs Homeoffice: Lern deutlich zu sagen, wenn du etwas nicht tun kannst oder willst. Kein „Vielleicht“, kein „Wenn du sonst niemanden findest“ – einfach „Nein.“ Du kannst das begründen, musst du aber nicht.

Du machst mit einem klaren „Nein“ nicht nur deutlich, dass du deine Grenzen kennst und dein Zeitmanagement im Blick (und im Griff hast). Du machst auch deinem Gegenüber das Leben leichter. Wer fragt, ob du ihm eine Aufgabe abnehmen kannst und ein „Vielleicht“ zur Antwort kriegt, hängt ganz schön in der Luft. Bei einem „Nein“ kann er sofort handeln und sich nach einer anderen Lösung umsehen.

Und: „Nein“ kannst du auch nett und mit einem Lächeln sagen. Das ist nämlich eigentlich kein unhöfliches Wort. Es ist nur eine klare Positionierung.

Im Homeoffice gibt es keine äußeren Abläufe, die deinen Tag strukturieren. Je nach Typ kann das gefährlich werden. Vielleicht kannst du dich kaum noch motivieren, überhaupt mal anzufangen. Du verzettelst dich stundenlang im Internet und arbeitest dann bis in die Nacht, um deine Aufgaben rechtzeitig zu schaffen.

Abhilfe schafft ein konkreter Tagesplan. Ich empfehle das Timeboxing: Plan im Kalender feste Zeitslots für die Aufgaben ein, die du an diesem Tag erledigen willst. Auch Pausen und Pufferzeiten für Unvorhergesehenes bekommen einen Slot. So behältst du den Überblick über deine Zeit und zwingst dich selbst dazu, kontinuierlich weiterzumachen. Wie Timeboxing genau funktioniert, kannst du übrigens in diesem Post nachlesen: Timeboxing: ein Selbstexperiment.

Wichtig: Auch den Feierabend planst du fest ein (und hältst dich dran!)

Hier noch schnell den Geschirrspüler eingeräumt, da noch eben der Kollegin ein lustiges Bild geschickt, zwischendurch kurz mal bei Instagram reingeschaut – huch, wo ist die Zeit hin? Damit du dich nicht verzettelst, nimm dir morgens ganz bewusst die Zeit, deine Aufgaben zu priorisieren.

Überprüf also, wie wichtig und dringend die einzelnen Aufgaben sind. Markier dir die Aufgaben – vergib Nummern oder nutz eine der Methoden aus „Aufgaben richtig priorisieren“, damit du auf deiner To-Do-Liste auf einen Blick erkennst, was du als nächstes zu tun hast.

Arbeite die Aufgaben dann von oben nach unten ab: die wichtigste/dringendste zuerst.

Gerade wenn du zwischen Familie und Homeoffice die ganze Zeit hin und her springst, verzichtest du wahrscheinlich auf eine echte Pause. Mach das nicht!

Um produktiv und ausgeglichen zu sein, brauchen dein Gehirn und dein Körper echte Pausen. Sorg also dafür, dass du mindestens stündlich eine Mini-Pause einlegst und die nutzt, um dich bewusst zu entspannen. Öffne das Fenster, gönn deinen Augen eine Bildschirmpause, schau in die Weite und atme ein paar Mal tief durch. Wenn du merkst, dass deine Konzentration nachlässt, leg eine längere Pause ein. Lauf einmal um den Blog, spiel eine Runde mit deinen Kindern (und zwar ohne schlechtes Gewissen und Dauerblick auf den Laptop) oder mach dir etwas Anständiges zu essen.

Viele Arbeitnehmer nutzen den Heimweg zum Abschalten. In die Bahn oder ins Auto zu steigen ist wie ein sicht- und fühlbares Signal für deinen Kopf, dass die Arbeit nun vorbei ist. Im Homeoffice fällt dieses Ritual weg.

Hinzu kommt: Wenn der Arbeitsplatz nur fünf Schritte entfernt ist, ist es verführerisch „nur noch mal schnell die Mails zu checken“ oder die eine Kleinigkeit noch fertig zu machen, wenn die Kinder im Bett sind.

Dass sich Freizeit und Beruf so stark vermischen und sie nicht mehr richtig abschalten können, haben die meisten Befragten in den Homeoffice-Umfragen der Hans-Böckler-Stiftung als Problem angegeben.

Schaff dir deshalb ein neues Feierabend-Ritual, das wie dein Heimweg vom Büro wirkt. Du kannst dir den Heimweg vorgaukeln, indem du wirklich jeden Tag nach Feierabend zuerst einen kurzen Spaziergang machst. Aber selbst, wenn du die Wohnung nicht verlässt, kannst du ein Ritual etablieren:

  • den Laptop schließen und in eine Schublade räumen
  • den Schreibtisch aufräumen
  • ein bestimmtes Lied hören und einen Feierabendtanz improvisieren

Sei kreativ und schaff dir dein eigenes Feierabend-Ritual (mein Ritual ist übrigens die Tagesplanung für morgen – mit der endet mein Arbeitstag).

Wie überlebst du im Moment im Homeoffice? Hast du wichtige Tipps, die ich hier noch vergessen habe? Dann immer her damit! Gern als Kommentar oder per Mail!

close

Eine Antwort auf “Surviving Homeoffice: 11 Tipps, um produktiv und gelassen zu bleiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.