Träumst du noch oder zielst du schon?

Träumst du noch oder zielst du schon?

Du hast dieses eine große Ziel. Aber irgendwie fehlt dir immer die Zeit, endlich richtig daran zu arbeiten. Ich kenne diese Situation, aber ich sage dir was: Du belügst dich wahrscheinlich gerade selbst. Dein Zeitmanagement ist nicht dein Problem. Die Frage ist vielmehr: Ist dir dein Ziel wirklich wichtig genug? Oder verwechselst du ein Ziel mit einem Traum?

Ich würde gern Ballett tanzen können. Ich wäre gern richtig gut in einer Kampfkunst. Ich würde gern vier oder fünf Sprachen sprechen. Ich wäre gern fit und hätte gern eine Sophia-Loreen-Taille. Ich würde gern richtig gut Cello oder Violine spielen. Aber wie das so ist im Leben: Ich bin einfach nicht dazu gekommen. Keine Zeit, das anzugehen. Dachte ich. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Ja, ich will all das sein oder haben. Aber ich will es nicht werden.

Ein großes Ziel zu erreichen, ist immer – Achtung, das ist wichtig: IMMER – mit Mühe verbunden. Mit Verzicht und Rückschlägen. Und vor allem mit Zeitaufwand. Das Ziel mag sehr verlockend sein, aber je größer es ist, um so mühsamer ist der Weg. Und an dem Punkt solltest du ehrlich zu dir selbst sein. Denn wenn du dir jahrelang einredest, dass du dein großes Ziel ja angehst, wenn du eines Tages genug Zeit hast, verarschst du dich selbst. So wie ich.

Ziel, Traum oder Wunsch: Was will ich eigentlich und wie sehr?

Um Sprachen, Cello, Geige, Ballett oder einen Kampfsport zu erlernen, müsste ich viele Jahre sehr regelmäßig üben. Ich müsste richtig viel Zeit investieren – die ich dann eben nicht für andere Dinge einsetzen könnte. Um fit zu werden und eine Taille wie Sophia Loreen zu bekommen, müsste ich beim Essen konsequent die richtigen Entscheidungen treffen und mehrfach die Woche trainieren. Auch das würde bedeuten, dass ich die Zeit nicht für andere Dinge zur Verfügung hätte. Ganz abgesehen vom Verzicht auf Süßkram und Junk Food.

Das will ich aber nicht. Und das ist der wahre Grund, warum ich über Jahre keinen einzigen ernsthaften Schritt in Richtung dieser Ziele gemacht habe. Es hatte nichts, aber auch gar nichts, mit meinem Zeitmanagement zu tun. Ich hätte die Zeit dafür finden können. Es war mir nur in Wirklichkeit nicht wichtig genug. Ich hätte in all diesen Dingen gern das Ergebnis, natürlich. Aber sie sind mir nicht wichtig genug, um auch die Arbeit und Mühe in Kauf zu nehmen.

Manche meiner Ziele sind in Wirklichkeit Träume. Ich bin verliebt in den Gedanken, auf einer Bühne zu stehen und in der Bewunderung zu baden. Aber hätte ich Lust auf ein Musikerleben? Gott im Himmel, ganz sicher nicht!

Andere sind wirklich Ziele, aber es ist nicht ihre Zeit. Ich möchte wirklich unbedingt Italienisch lernen. Aber im Moment sind mir andere Dinge wichtiger. Dieses Ziel hebe ich mir für später auf.

Und dann gibt es da Ziele, die eher Ideen oder Wünsche sind als echte, große Ziele. Ich will wirklich Ballett tanzen lernen (schon seit ich klein bin), aber ich will damit auf keine Bühne. Ich will das einfach für mich ausprobieren. Dazu brauche ich keinen großen Plan und ich muss auch nicht erst abnehmen. Ich buche einfach, sobald Corona das wieder erlaubt, eine Schnupperstunde im Kurs für Erwachsene. Ziel erfüllt.

Ich schäme mich, weil mir die falschen Dinge wichtig sind

Warum aber habe ich mich dann Jahre mit meinem schlechten Gewissen herumgequält, weil ich die vermeintlichen Ziele nicht konsequent genug verfolgte? Ganz einfach: Weil ich mich dafür schämte, dass mir diese „guten“ Ziele nicht wichtig genug waren. Oder korrekter: Weil ich mich für die Dinge schämte, die mir wichtiger waren.

Ich wollte lieber meine Abende bei Trash TV und Handarbeit oder DIY-Orgien verbringen, statt ins Fitnessstudio zu gehen. Ich wollte lieber den 23. Liebesroman in einem Monat lesen, statt Vokabeln zu pauken. Ich wollte lieber Kuchen zum Kaffee, wenn ich mich mit einer Freundin traf, statt mich am Wasser festzuhalten. Ich wollte lieber shoppen gehen, statt Geld für Musikunterricht auszugeben. Ich wollte lieber…

Aber all das, was ich lieber tat, galt meinem Umfeld als faul, antriebslos oder Spielerei. Man musste doch irgendwann mal erwachsen werden. Merkste was? Da isse wieder, diese ominöse Person namens „Man“. In Wirklichkeit ist „Man“ keine einzelne Person, sondern viele. „Man“ sind alle da draußen, die glauben, besser zu wissen als ich, wie ich mein Leben leben und meine Tage füllen sollte.

Und ich gebe zu: Manchmal hat „man“ Recht. Wenn es um meine Ernährungsgewohnheiten und die Sportfaulheit geht zum Beispiel wäre ein bisschen mehr Vernunft in der Praxis (in der Theorie bin ich sehr vernünftig) sicher angebracht. Aber nur weil es vernünftig ist, will ich es trotzdem noch nicht genug, um die Mühe auf mich zu nehmen, die damit verbunden ist. Jedenfalls im Moment nicht.

Ziele brauchen eine Entscheidung

Momentan sind andere Ziele einfach wichtiger für mich: Der Jobwechsel in die IT und der Aufbau der Zeitplanerin. Und diese beiden Projekte beweisen ja, dass es keine reine Bequemlichkeit ist, die mich zurückhält. Denn beides verlangt eine Menge Zeit und Arbeit und sorgte hier und da auch für erhebliche Mühe. Ich muss mich auch mal zusammenreißen, um dranzubleiben. Und es geht. Auch wenn es anstrengend ist. Auch wenn es anderen Dingen Zeit klaut. Weil es MEINE Ziele sind. Und weil ich mich ENTSCHIEDEN habe, sie anzugehen. Nicht im Konjunktiv (Ich müsste, sollte, würde gern…), sondern im Imperativ: Ich mache das!

Und damit hat sich die Frage nach dem Wann und Wie erledigt. Ich hab diese beiden Dinge zur Priorität erklärt, also finde ich die Zeit – regelmäßig und so viel wie ich eben brauche, um die Zwischenziele zu erreichen, die ich mir stecke. Ich hinterfrage auch nicht mehr, ob mir die Teilschritte nun passen oder ob ich bestimmte Aufgaben auf dem Weg zum Ziel doof finde. Das ist eben der Unterschied zwischen Ziel und Traum: Ein Traum kommt ohne negative Seiten, ein Ziel nicht:

Wenn ich mir einen Hund wünsche, muss ich damit leben, Scheiße wegmachen zu müssen. Wenn ich mich selbstständig machen will, muss ich mich mit Buchhaltung und Behördengängen arrangieren. Wenn ich abnehmen will, muss ich auf Schokolade verzichten und mich zum (und beim) Sport quälen. Wenn ich als Kommunikationsprofi in der IT arbeiten will, muss ich mich in die technische Denkweise und die kurzangebundene Kommunikation einfinden. Wenn ich die Zeitplanerin in fünf Jahren zum größten deutschsprachigen Portal für Zeitmanagement für Frauen machen will, muss ich Wochenenden opfern, um Podcasts aufzunehmen und Nächte, um Blogartikel zu schreiben. So ist das eben. Ja, dieser Teil macht nicht immer Spaß, aber er gehört dazu. Und jede Hürde, die ich nehme, bringt mich dem großen Ziel näher.

Checkliste: Finde heraus, warum du deinem Ziel nicht näherkommst

Hast du auch dieses eine Ziel, von dem du schon seit Jahren denkst: „Es wäre schön, wenn…?“Und hast du seit ebenso vielen Jahren ein schlechtes Gewissen, weil du nicht (hartnäckiger) daran arbeitest? Und redest du dir (und allen anderen, die fragen) auch ständig ein, dass du einfach nicht genug Zeit dafür hast? Dann hilft dir die Ziele-Checkliste jetzt hoffentlich weiter. Geh die folgenden Fragen in Ruhe durch und sei ehrlich zu dir. Du musst aus den Antworten ja noch nicht unbedingt Konsequenzen ziehen, aber mach diesem In-der-Luft-Hängen ein Ende und verschaff dir Klarheit:

Hast du einen Traum oder ein Ziel?

Träumst du also davon etwas zu können, zu sein, zu tun oder willst du etwas werden, lernen, erleben?

Wenn du träumst: Genieß das! Aber hör auf, dich mit einem schlechten Gewissen rumzuplagen, weil du es nicht umsetzt. Träume sind nicht gedacht, um Realität zu werden. Schwelge einfach ein bisschen in den kleinen Fluchten vom Alltag.

Wenn du ein Ziel hast, aber nicht vorankommst, mach weiter mit den nächsten Fragen.

Verfolgst du dein Ziel oder das von anderen?

Bist wirklich DU diejenige, die das willst, was du gerade als Ziel definiert hast. Willst wirklich du abnehmen, auf ein Eigenheim hinsparen, die Weltreise machen, Marathon laufen…? Oder findet einer der Menschen, die dich lieben, dass du das wollen solltest? Oder eine Freundin/ein Freund, die oder der will, dass du ihren/seinen Traum mitlebst?

Wenn es nicht DEIN Ziel ist, ist es kein Wunder, dass du nicht die Energie aufbringst, um es zu verfolgen. Frag dich, ob es sich wirklich lohnt, Zeit und Mühe in ein Ziel zu investieren, dass einen anderen Menschen glücklich macht.

Weißt du, wofür du es machst?

Frag dich mal, was genau du dir erhoffst, wenn du dein Ziel erreichst. Warum willst du unbedingt diese eine Sache können oder erreichen? Wenn du das Ziel hinter dem Ziel kennst, hilft dir das, auch Motivationslöcher und Rückschläge zu überstehen.

Hast du dich entschieden oder hängst du noch im Konjunktiv fest?

Wenn du sicher bist, dass du nicht träumst, sondern ein echtes Ziel verfolgst, dass dir wichtig genug ist, um Zeit und Mühe zu investieren, dann triff eine eindeutige Entscheidung dafür. Einmal. Und dann zieh es durch. Fang nicht jeden Tag neu an, zu überlegen, ob das jetzt wirklich die richtige Entscheidung war. Das kannst du ohnehin erst im Rückblick erkennen. Entscheide dich einmal dafür und dann leg los.

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Ziel wirklich das richtige ist oder nicht, setzt dir ein Zwischenziel, an dem du die ganze Sache neu bewertest. Wenn du von der Selbstständigkeit träumst, aber unsicher bist, ob du die Persönlichkeit dafür mitbringst, kannst du zum Beispiel festlegen, dass du nebenberuflich 5 Kundenaufträge erledigst und dann evaluierst, ob du weitermachen willst oder doch lieber dauerhaft in der Festanstellung bleibst. Aber bis zu diesem Punkt, also bis du die Rechnung für den fünften Auftrag geschrieben hast, ziehst du deinen Plan (siehe Frage 3) durch – ohne dich täglich neu durch Grübeln und Zweifeln auszubremsen.

Hast du einen Plan?

Weißt du konkret, wie dein Ziel aussieht und was du unternehmen musst, um es zu erreichen? Schreib dir auf, wann du was können oder erreicht haben willst. Dann brich daraus Etappenziele runter. Für das erste Etappenziel schreibst du nun eine konkrete To-Do-Liste, planst dir die Aufgaben in den Terminkalender ein, wenn du zum Auf- und Verschieben neigst, und legst dann konsequent los.

Was gewinnst du, indem du nicht konsequent an deinem Ziel arbeitest?

Klingt absurd, oder? Ist aber gar nicht so abwegig. Frag dich mal, ob du etwas „gewinnst“, indem du dein Ziel nicht konsequent umsetzt. Stell dir vor, du machst dich nebenberuflich selbstständig, hast aber insgeheim Angst zu scheitern. Indem du nicht konsequent daran arbeitest, aus der Nebenberuflichkeit deinen Hauptjob zu machen, musst du deine Sicherheit mit der Festanstellung nicht aufgeben. Du „gewinnst“ also Sicherheit und Stressreduktion.

Was ist aktuell dein Ziel im Leben? Was sind deine konkreten nächsten Schritte? Erzähl es mir gern, dann können wir uns gegenseitig zum Durchhalten animieren und Erfolge gemeinsam feiern. Ich freue mich darauf!

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