Pomodoro: Wie eine Tomate dir hilft, endlich anzufangen

Pomodoro: Wie eine Tomate dir hilft, endlich anzufangen

Eine Methode, die dir hilft, endlich anzufangen und dann auch dranzubleiben? Probier es doch mal mit der Pomodoro-Technik!

Mein Kryptonit ist das Anfangen. Vor allem große Aufgaben schiebe ich ewig vor mir her. Je länger ich vermutlich für eine Aufgabe brauchen werde, desto größer ist mein Widerstand zu beginnen. Und wenn die Aufgabe dann auch noch langweiliger Routinekram ist (hello, Steuererklärung!), ist der Ofen endgültig aus. Geht dir auch so? Dann habe ich gute Neuigkeiten: Eine Tomate kann helfen!

„Pomodoro“ ist italienisch und heißt „Tomate“. Was eine Tomate mit Zeitmanagement zu tun hat? Nichts. Jedenfalls heute nicht mehr. Der Erfinder der Methode war Italiener und benutzte in seinen Anfängen einen Küchenwecker, um die Zeit zu messen – und der hatte eben zufällig die Form einer Tomate.

Die Pomodoro-Technik kurz erklärt

Bei der Pomodoro-Technik zerlegst du dir deine Aufgabe in Blöcke von 25 Minuten (du musst die aber nicht mit dem Küchenwecker messe. 😉, deine Uhr, dein Smartphone oder eine der unzähligen Pomodoro-Apps und -Websites tun es auch). Du arbeitest 25 Minuten, dann machst du 5 Minuten Pause. Nach 4 Blöcken á 25 Minuten, den sogenannten Pomodori, legst du eine längere Pause von einer guten Viertelstunde ein.

Schreib dir, bevor du anfängst, auf, welche Aufgabe du erledigen willst. Am besten formulierst du ein konkretes Arbeitsziel, um deinen Erfolg messbar zu machen. Keine Sorge, du musst jetzt nicht vor jeder Aufgabe ein Essay schreiben. Aber statt „Steuererklärung“ kannst du notieren „Alle Belege für die Steuererklärung zusammensuchen, digitalisieren und nach Kategorien sortieren“. Glaub mir, dein Zeitplanerinnen-Herz wird das lieben, denn: Selbst wenn du die Steuererklärung nach dieser Pomodoro-Einheit noch nicht ans Finanzamt schicken kannst, fühlt es sich wie ein Erfolgserlebnis an, weil du hinter dein Ziel für diese Arbeitseinheit einen dicken, fetten Haken machen kannst.

Aus demselben Grund solltest du dir jedes der erledigten Pomodori irgendwo notieren. Während der Arbeit selbst motiviert es dich, weil du wieder einen 25-Minuten-Block abhaken kannst und später macht es dich stolz, wenn du siehst, wie lange du durchgehalten hast (Bei mir funktioniert das übrigens schon bei einem einzigen 25-Minuten-Block, denn mich 25 Minuten wirklich auf eine ungebliebte Aufgabe zu konzentrieren, ist für mich ein Fall für Sekt und Pralinen 😉).

Was bringt dir die Pomodoro-Technik?

Wie lange brauchst du üblicherweise für deine Steuererklärung? Ich nehme an, unter vier Stunden geht das auch bei dir nicht ab, richtig? (Wenn du zu den super-organisierten, selbstdisziplinierten Frauen gehören würdest, die das ganze Zeug schon übers Jahr so vorbereiten, dass sie im Januar nur noch eine halbe Stunde brauchen, um die Formulare auszufüllen, hättest du dich vermutlich nicht auf die Zeitplanerin verirrt.) Nun, dann sind wir uns doch vermutlich einig, dass 25 Minuten sehr viel weniger nach „lebenslänglich Straflager“ klingen als 4 Stunden.

Und das ist der erste große Vorteil der Pomodoro-Technik: Die Arbeit wird durch die Einteilung in die Blöcke besser verdaulich, überschaubarer – und damit bist du eher bereit, sie anzugehen. Denn immerhin schreibt dir ja niemand vor, wie lange du dabei bleiben musst (siehe Abschnitt „Meine persönliche Pomodoro-Abwandlung“ weiter unten). Arbeitest du nur einmal 25 Minuten an deiner Aufgabe hast du mit absoluter Sicherheit schon viel mehr geschafft, als wenn du sie weiter aufgeschoben hättest. Also ist das ein Erfolg – egal, wie viele 25-Minuten-Einheiten noch nötig wären, um richtig fertig zu sein.

Der zweite große Vorteil: Du bleibst konzentrierter und geistig fitter, wenn du sehr regelmäßig kleine Pausen einlegst. Deshalb ist eins ganz wichtig: „Nur noch schnell den Absatz fertig machen“ ist keine Option, wenn du mit der Pomodoro-Technik arbeitest.

Natürlich sollst du nicht mitten in der Aufgabe den Stift fallen lassen. Wenn du gerade 230 Zahlen zusammenrechnest, verlangt niemand, dass du nach 223 aufhörst und dann nach der Pause im dümmsten Fall wieder von vorn anfangen musst. Aber du solltest auch nicht einfach 20 Minuten länger arbeiten, weil du gerade so schön drin bist. Wenn dein Ziel einfach nur das Reinkommen ist, benutz lieber meine 8-Minuten-Regel. Bei der Pomodoro-Technik sind die Pausen ebenso wichtig wie die Arbeitsblöcke.

Meine persönliche Pomodoro-Abwandlung

Grundsätzlich ist die Pomodoro-Technik gedacht, um umfangreichere Aufgaben gut zu bewältigen. Ich habe sie mir ein bisschen abgewandelt, damit sie auch funktioniert, um anzufangen.

Dafür habe ich einen Deal mit meiner inneren Kritikerin gemacht: Ein einziger Pomodoro-Block, den ich richtig durchziehe, gilt als Erfolg. Wenn ich mich 25 Minuten wirklich reingehängt habe (also ohne zwischendurch Mails, Facebook, Instagram und Co zu checken oder ein Stück weiter in meinem aktuellen Buch zu lesen), hält meine innere Kritikerin die Klappe und kommt mir nicht mit „aber eigentlich gehören vier Blöcke zu einer kompletten Pomodoro-Einheit“ oder mit „aber die Aufgabe ist jetzt immer noch nicht abgeschlossen“. Stattdessen feiern wir bei einer guten Tasse Tee gemeinsam, dass wir ein Stück weiter sind.

Außerdem habe ich Ambience Videos mit integiertem Pomodoro-Timer für mich entdeckt. Die Playlist mit meinen Lieblingsvideos findest du auf Youtube.

Das hat sich für mich auch deshalb bewährt, weil es mir sehr schwer fällt, nach nur 5 Minuten Pause wieder an die Arbeit zurückzukehren. Pause ist für mein Gehirn irgendwie ein Partysignal. Es verwechselt Pause schnell mit Ferien. Bei längeren Pausen ist das kein Problem. Nach einer halben Stunde hat sich die Aufregung (wie früher zu Beginn der Sommerferien) wieder gelegt und wir freuen uns auf die Arbeit (wie früher in der Mitte der Sommerferien). Aber 5 Minuten? Da muss ich mich (vor allem bei Muss- statt Darf-Aufgaben) schon sehr zusammenreißen, um wieder konzentriert zu arbeiten. Da helfen die Videos, die die Pausen (und deren Ende) akustisch absetzen.

Zusätzlich habe ich mir eine Liste (Tada, kein Blogpost ohne die Erwähnung einer Liste!) angelegt, auf der ich entspannende Tätigkeiten notiere, für dir mir 5 Minuten reichen (Mir einen Kaffee machen klappt, Tee braucht bei mir deutlich länger als 5 Minuten).

Mit dieser Liste nutze ich die Pomodoro-Technik tatsächlich erfolgreich genauso wie sie gedacht ist. Das klappt für mich am besten bei Aufgaben, auf die ich nicht furchtbar scharf bin, die aber zeitnah erledigt werden müssen (zum Beispiel, weil jemand meine Ergebnisse braucht, um selbst weiterzuarbeiten).

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