Eat the frog oder warum mir Frösche nicht schmecken

Eat the frog oder warum mir Frösche nicht schmecken

Schleppst du unliebsame Aufgaben auch immer tage- oder sogar wochenlang mit, weil du dich einfach nicht aufraffen kannst, sie anzugehen, bevor es schon fast zu spät ist? Es gibt eine Zeitmanagement-Methode, die genau dieses Problem lösen soll: Eat the frog.

Iss den Frosch! Klingt einigermaßen widerlich, aber zumindest wirst du den Namen dieser Zeitmanagement-Methode so schnell nicht wieder vergessen. Außerdem ist der Ekel Absicht. Die Methode ist sehr schnell erklärt: Erledige den unangenehmsten Punkt auf deiner To-Do-Liste gleich zu Beginn deines Tages.

Eat the frog: Für Aufgaben, so eklig wie Frösche

Der Überlieferung nach geht der Name der Methode darauf zurück, dass ein glibberiger, glitschiger Frosch (die sind in der Realität übrigens weder das eine noch das andere!) genauso widerlich sei wie ätzendste Aufgabe auf deiner To-Do-Liste. In der Theorie soll die Tatsache, dass du die Aufgabe gleich morgens als erstes hinter dich bringst, mehrere Vorteile bieten:

  1. Die Aufgabe sitzt dir nicht mehr im Nacken, du hast den Kopf frei für andere (kreativere) Dinge.
  2. Du startest mit einem Riesen-Erfolgserlebnis und dieser Stolz trägt dich (und deine Laune) durch den restlichen Tag.
  3. Weil du gleich in den ersten Minuten oder Stunden so viel geschafft hat, polst du den ganzen Tag auf Produktivität.
  4. Morgens fällt es dir leichter, ätzende Dinge anzugehen und du erledigst sie schneller, weil du noch voller Energie bist (Warum das – zumindest für mich – Bullshit ist, liest du weiter unten).

Es gibt die Methode auch in einer Abwandlung: Dabei erledigst du nicht die schlimmste, sondern die wichtigste Aufgabe des Tages als Erstes. Das mache ich sehr regelmäßig. Vor allem, wenn du viele wichtige Dinge auf dem Tisch hast, die alle vergleichsweise strenge Deadlines haben, kommst du so automatisch zu einer Priorisierung und verhinderst, dass dir am Abend alles um die Ohren fliegt.

Warum mir dieser Frosch nicht schmeckt

Ich nutze diese Methode immer mal wieder, aber immer erst dann, wenn sich die Aufgabe wirklich nicht mehr länger ignorieren lässt. „Eat the frog“ gehört nicht zu meinem Standard-Werkzeugkasten. Und zwar vor allem, weil ich kein Morgenmensch bin und die Aufgaben, die mir wirklich lästig sind, in der Regel ewig dauern.

Eat the frog ungeeignet für immer wiederkehrende Aufgaben

Ich hab dir ja schon erzählt, dass ich vor einigen Monaten den Job und die Branche gewechselt habe. Da ich vorher kaum Berührungspunkte mit der IT-Welt hatte, gibt es für mich jetzt wirklich viel zu lernen. Ich finde die Themen spannend und genieße das Erfolgserlebnis, wenn ich umsetzen kann, was ich gerade gelernt habe. Aber ich hasse das Lehrmaterial. Ich finde es sprachlich ätzend – zu kompliziert, zu technisch, zu uninspiriert. Außerdem fehlen mir eingängige Beispiele, die das Ganze auch für Anfänger verständlich machen. Um es kurz zu fassen: Ich muss mich wirklich zwingen, damit zu lernen.

Eine Zeitlang habe ich es mit „Eat the frog“ probiert – ich habe also immer morgens, bevor ich irgendwas anderes gemacht habe, eine Lektion durchgearbeitet. Nach drei Tagen hatte ich keinen Bock mehr. Das hat mir den gesamten Tag verhagelt. Vor allem, weil es nicht erledigt war. Ich wusste ja genau, ich muss mich morgen früh wieder dazu zwingen. Bei lästigen, aber notwendigen Aufgaben, die immer wieder erledigt werden müssen, haben mir das Pareto-Prinzip oder die 8-Minuten-Regel sehr viel mehr geholfen.

Die Eat-the-frog-Methode geht auf den Amerikaner Brian Tracy zurück, der darüber auch ein Buch geschrieben hat. Hast du „Eat the frog – 21 Wege, wie Sie in weniger Zeit mehr erreichen“ schon gelesen? Kannst du es empfehlen? Das Buch steht nämlich auf meiner „to read“-Liste, aber bisher habe ich es noch nicht gekauft.

Eat the frog ungeeignet für Mammutaufgaben

Anderes Beispiel: Buchhaltung. Als ich noch selbstständig war, musste ich – erst jeden Monat, dann einmal im Quartal – die Vorsteueranmeldung ans Finanzamt schicken. Dafür habe ich alle Ein- und Ausgaben erfasst, die Belege digitalisiert und den Buchungen zugeordnet und alle Bargeschäfte ergänzt.

Da ich Zahlen ebenso hasse wie stumpfe Routinearbeiten war das eine der Aufgaben, die ich wirklich jedes Mal bis auf die allerletzte Minute aufgeschoben habe. Gleichzeitig verlangte sie aber relativ viel Konzentration von mir. Ich konnte mich also nicht mal mit einem Hörspiel oder einem Podcast ablenken.

Auch dafür habe ich irgendwann mal einen „Eat the frog“-Versuch gestartet. Das Ergebnis: Die Menschen in meinem Umfeld sind mir einen großen Teil des Tages aus dem Weg gegangen. Ja, ich war sehr zufrieden mit mir, nachdem ich die Vorsteueranmeldung endlich (pünktlich) abgeschickt hatte. Aber das passierte eben erst nachmittags.

Ich hatte die Aufgabe zwar gleich morgens als erste Amtshandlung begonnen, aber ich brauchte dafür ein paar Stunden. Allein die Belege einzuscannen, dauerte Ewigkeiten (Kennt jemand einen günstigen Multifunktionsdrucker, der das gut und schnell kann?). Mit jeder Stunde, die verging, sank meine Laune. Und danach ging der Arbeitstag ja noch weiter. Ich konnte mich also nicht mal mit einem guten Buch und einem langen Bad belohnen. Nach der Vorsteueranmeldung standen zwar nur noch vergleichsweise angenehme Dinge auf meiner To-Do-Liste, aber Arbeit war es eben trotzdem.

Wenn es um große, zeitraubende Aufgaben oder immer wiederkehrende Tätigkeiten geht, die ich nicht mag, funktioniert „Eat the frog“ für mich also überhaupt nicht. Solche Dinge lege ich mir lieber auf den späten Nachmittag oder Abend, um danach direkt in den Feierabend gehen und mich mit etwas Schönem zu belohnen. Das funktioniert auch nicht immer und manchmal hilft wirklich nur die drohende Deadline, aber es ist für mich (und meine Laune) die bessere Taktik.

Zumal ich morgens weniger effektiv arbeite als abends oder nachts. Meine innere Uhr tickt einfach anders. Der versprochene Effekt, dass ich schneller und besser mit der Hass-Aufgabe fertig werde, wenn ich sie gleich morgens erledige, tritt bei mir also einfach nicht ein.

Wobei mir die „Eat the frog“-Methode wirklich hilft

Für mich ist „Eat the frog“ allerdings die richtige Taktik für alle Aufgaben, die mir aufs Gemüt schlagen, wenn ich sie vor mir herschiebe. Schwierige Gespräche zum Beispiel. Die gehe ich lange nicht an, weil ich Konfrontationen hasse. Aber manchmal ist so ein Gespräch einfach nötig (und dann meisten viel weniger schlimm und sogar befreiend) und wenn ich einmal entschieden habe, das Gespräch anzugehen, dann mache ich es möglichst sofort. Würde ich das aufschieben, könnte ich mich den ganzen Tag nicht richtig auf andere Dinge konzentrieren und würde in meiner Fantasie wahre Horrorvorstellungen über den Verlauf des Gesprächs entwickeln.

Eat the frog: Zusammenfassung

  • Erledige die unangenehmste Aufgabe des Tages gleich morgens als Erstes.
  • Damit hast du den Kopf frei, startest den Tag mit Stolz und Produktivität
  • Funktioniert für mich nur für Aufgaben, die mir sonst aufs Gemüt schlagen
  • Funktioniert für mich NICHT für Aufgaben, die immer wiederkehren oder so umfangreich sind, dass sie Stunden beanspruchen bzw. gesplittet werden müssen.

Und wie immer bin ich megagespannt auf deine Erfahrungen. Arbeitest du mit „Eat the frog“ oder einer Abwandlung davon? Wie funktioniert das für dich? Oder hast du eigene Methoden entwickelt, um der lästigsten Aufgaben Herr zu werden? Lass es mich wissen! Ich freue mich, von dir zu hören.

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