Mein Lieblingstool: Bullet Journal

Mein Lieblingstool: Bullet Journal

Ein Bullet Journal ist ein Kalender, eine To-Do-Liste, ein Gewohnheitstracker, ein schlechtes Gewissen, ein Motivator, ein Kummerkasten, ein Erinnerer, ein Erinnerungensammler, ein Tagebuch – alles auf einmal und zusätzlich alles, was du noch draus machst. Deshalb liebe ich das System und benutze es seit mehreren Jahren täglich.

Mit dem Bullet Journal ging es mir wie mit WhatsApp – ich schlich monatelang drum herum, verstand aber den Hype nicht so richtig und war sicher, dass ich das nicht brauche. Immerhin: Ich hatte eine SMS-Flat, was soll ich da mit WA? Und jetzt: Ich habe einen Planer (digital UND in Papierform) und jede Menge Notizbücher (einfach nur, weil ich nicht „Nein“ sagen kann, wenn sie so schön sind – ganz egal, ob das eine (oder die drei), das ich gerade bearbeite, voll ist oder nicht). Warum also ein Bullet Journal?

Was ist ein Bullet Journal und was brauche ich dafür?

Kalender, Aufgaben, die ich erledigen muss, Erinnerungen, die ich nicht vergessen will, Übersichten, Listen, Ideen: Früher hatte ich für jede dieser Anforderungen ein (oder mehrere) eigene Tools und vor allem sehr viele, lose Zettel, die grundsätzlich nicht aufzufinden waren, wenn ich sie brauchte. Heute ist das alles in meine A5-Notizbuch (dieses Jahr eines der traumhaft schönen von Lebenskompass) vereint, meinem Bullet Journal.

Ist dein innerer Monk zu ausgeprägt, um in einem Notizbuch Terminkalender, To-Do-Listen, Erinnerungen, Tracker und Co. wild durcheinander zu sammeln? Dann nimm einfach ein Ringbuch. Hier kannst du einzelne Seiten anlegen und diese bei Bedarf umsortieren. Wenn du Registerblätter nutzt, kannst du Kalender, Listen, Aufgaben usw. sogar optisch in Rubriken trennen. Und wenn du es mit aufwendigerer Gestaltung probieren willst, kann du Seiten, die dir nicht gelungen sind, einfach ausheften und entsorgen.

Ryder Carroll hat das Bullet Journal als Produktivitätstool erfunden. Googel ihn einfach mal. Online und in seinem Buch findest du sehr ausführliche Informationen zum Ursprungssystem. Aber auch im Zeitplanerin-Podcast werde ich das System noch erklären. Abonnier den Zeitplanerin-Podcast doch am besten gleich, damit du die Folge nicht verpasst.

Im Ursprung ist das Bullet Journal etwas, dass euch helfen soll, Dinge schnell und effizient auf die Reihe zu bekommen. Kreativität ist da eigentlich nicht gefordert. Doch inzwischen hat sich eine regelrechte Bujo-Community gebildet, die aus ihren Bücher richtige Kunstwerke macht. Auch ich mag es, meine Seite ganz unterschiedlich zu strukturieren und zu dekorieren. Meine Gestaltungseskapaden sind aber eher Zen-Übungen, die viel Spaß machen, mir helfen zu entspannen und außerdem dafür sorgen, dass ich mein Bujo sehr gern (und damit regelmäßig) in die Hand nehme. Allerdings hebe ich mir die aufwendige Gestaltung für das Monatssetup. Die Seiten, die ich den ganzen Monat über benutze, dekoriere ich sehr aufwendig.

So sieht mein Bullet Journal aus

Die alltägliche Planung, also sozusagen die „Arbeitsseiten“ sind bei mir eher funktional. Ein kleines Element, mit dem ich das Monatsthema aufgreife gibt es meistens (im März steht das Datum bei meinen Dailies jeweils in einem Gänseblümchen). Aber darüber hinaus sind meine Tageslisten nicht nennenswert gestaltet, sondern einfach praktische Listen für einen schnellen Überblick und einen produktiven, effektiven Arbeitstag.

Wenn du nicht zeichnen und basteln kannst oder willst, ist das also kein Hinderungsgrund! Gib dem Bullet Journal ruhig trotzdem eine Chance und versuch es mit der ursprünglichen Variante.

Wie organisiere ich mich mit dem Bullet Journal?

Ich benutze mein Bullet Journal in erster Linie als Aufgabensammlung (sieh dir mal die reisende To-Do-Sammlung von Cordula Nussbaum an, im Grundsatz ist das ein ähnliches System, nur noch viel schlanker). Aber auch als abgespeckte Version meines Kalenders, als Helfer, um mir gute Gewohnheiten zuzulegen oder schlechte abzugewöhnen, um Erinnerungen festzuhalten, als Ideen- und Inspirationssammlung und manchmal sogar als Tagebuch.

Ich hab dir ja schon mehrfach erzählt, dass für mich das Wichtigste an gutem Zeitmanagement die Individualität ist. Du bist nicht „man“, sondern Christina, Tamar, Alijyah, Sofie, Ben, Hannes, Friederike oder wie dich deine Eltern sonst genannt haben. Und jeder von euch braucht andere Tools und Methoden, weil ihr ja gerade auch jeder aus unterschiedlichen Gründen an eurem Zeit- und Selbstmanagement verzweifelt. Und deshalb ist das Bullet Journal so toll: Es wird zu genau dem Tool, das du brauchst. Und weil du auch selbst entscheidest, wie weit du die Seiten vorbereitest, kannst du es spielend leicht auch im laufenden Jahr, sogar im laufenden Monat oder der aktuellen Woche anpassen, wenn sich die Dinge bei dir ändern und du das Bujo anders nutzen willst.

Diese Flexibilität ist allerdings auch der eine große Nachteil: Je nachdem, wie du dein Bujo nutzt, kann es zu einem echten Zeitfresser werden. Wenn dein Zeit-Problem also wirklich darin liegt, dass du zu viel zu tun hast für die 24 Stunden eines Tages, fährst du mit einem vorgefertigten Kalender vielleicht besser.

Ich nehme mir die Zeit ganz bewusst, weil es meine Auszeit ist. Am Wochenende zeichne, plane und dekoriere ich die neue Woche vor. Das dauert meist zwischen 30 Minuten und zwei Stunden – je nachdem, wozu ich Lust habe. Am Monatsende lege ich das Set up für den neuen Monat an. Das zelebriere ich mit Tee, Podcasts, Kuschelsocken und Duftkerzen. Mein Kreativ-Home-Spa sozusagen. Unter zwei Stunden geht da nichts, ich hab aber durchaus auch schon die doppelte Zeit investiert. Aber noch mal: Ich genieße das, mir macht das Spaß und ich tanke damit Energie. Deshalb ist es für mich keine Zeitverschwendung und stresst mich auch nicht. Hör in dich rein und finde deine richtige Dosis!

Brauche ich das Bujo als Kalender?

Am Anfang sollte das Bullet Journal für mich den Kalender ersetzen. Die Idee habe ich aber schnell wieder über Bord geworfen. Meinen Kalender führe ich im Wesentlichen digital – einfach, weil es mich nervt, Termine durchzustreichen, wenn sie sich verschieben. Das sieht doof aus und macht den ganzen Kalender unübersichtlich, wenn das oft passiert. Außerdem ist es sehr viel bequemer, beim Arzt oder beim Treffen mit Freunden, das Handy in die Hand zu nehmen, um Termine abzustimmen, als das Bujo aus der Tasche zu kramen.

Trotzdem notiere ich Termine im Bujo – in den Monats- und Wochenübersichten. Im Alltag schaue ich nämlich nicht jeden Abend in meinen Handykalender, sehr wohl aber ins Bujo. Ich hab zwar nicht mehr so viele Termine wie früher und vergesse deshalb in der Regel auch keine mehr. Aber wenn sie im Bujo stehen, kann ich zumindest ganz sicher sein, dass mir nichts durchrutscht. Aber ich arbeite immer doppelt: ALLE Termine stehen im Handy und werden dann, wenn ich das Set up mache, in den Monat oder die Woche im Bujo übertragen. Der Handykalender ist mit dem Google Calender synchronisiert. Selbst wenn meine Wohnung abbrennt, meine Handtasche geklaut wird, mir das Handy ins Klo fällt oder ich das Bujo im Zug vergesse, sind meine Termine also immer noch da. Kommt dir das ein kleines bisschen neurotisch vor? 😉

Wie organisiere ich meine Aufgaben im Bujo?

Alle, also wirklich absolut alle Aufgaben, notiere ich im Bujo. Wie meine To-Do-Listen aussehen und organisiert sind, kannst du im Beitrag „To Do, Ta Da, Not to do: Finde deine Lieblingsliste“ nachlesen.

Immer mal wieder teste ich auch digitale Aufgabenlisten – einfach, um das Bujo nicht immer überall mitschleppen zu müssen. Aber irgendwie war da noch keine echte Liebe dabei. Mich stört, das ich dann schon wieder eine App mehr habe und mein Zeug sich so auf verschiedene Tools verteilt. Ich brauche das Gefühl, alles an einem Ort im Überblick zu haben. Deshalb bleibe ich also beim Bullet Journal.

Was kommt sonst noch in mein Bullet Journal?

Ich arbeite viel und gern mit Trackern. Die variieren aber von Monat zu Monat (du kannst sie aber auch wöchentlich anlegen!). Ich habe einen großen Tracker für Gewicht und Körpermaße, den ich nur einmal im Monat ausfülle und der recht aufwendig gestaltet ist (frustrierendes Thema, da darf das zumindest hübsch aussehen). Einen Haushaltstracker, der eine simple Liste mit Aufgaben ist, die ich regelmäßig in der Wohnung erledigen will und die einfach abhake. Und dann gibt es ab und zu ein Diagramm, in dem ich meine Schlafzeiten eintrage (wenn ich wochenlang erst nach 2 Uhr nachts ins Bett gegangen, aber zur normalen Zeit gegen halb acht aufgestanden bin, versuche ich mit dem Tracker wieder zu einem besseren Rhythmus zurückzufinden). Sport notiere ich mal im Bujo, mal in einer Excel-Liste, da fehlt mir die perfekte Lösung für mich noch.

Im Wesentlichen geht es bei diesen Elementen darum, einen objektiven Überblick über seine Gewohnheiten zu bekommen. So kannst du herausfinden, womit du viel Zeit verschwendest und womit du gern mehr Zeit verbringen würdest. Du kannst die Tracker nur eine begrenzte Zeit zur Analyse nutzen oder (aus Spaß und Neugier, wie ich) dauerhaft damit arbeiten.

Ich hab ständig eine halbe Millionen Ideen und stolpere überall über Inspirationen. Aber so schnell sie mir einfallen, so schnell vergesse ich sie wieder. Ich brauchte für Ideen und Inspirationen also unbedingt einen Platz im Bullet Journal. Dafür ist in den Planungsübersichten meist zu wenig Platz und es beginnt das nervige Hin- und Herblättern, wenn ich mich später zwar erinnern kann, dass ich mal aufgeschrieben habe, welches Buch mir die Kollegin empfohlen hat, aber nicht mehr weiß, wo. Deshalb lagere ich sowas in separate Listen und einzelne Seiten aus. Titel und Seitenzahl notiere ich im Inhaltsverzeichnis meines Bujo. So finde ich das Ganze auch wieder.

Bei mir gibt es zum Beispiel Listen für:

  • Komplimente (immer, wenn jemand etwas Nettes zu mir sagt, kommt das auf diese Seite. Wirkt Wunder, das an miesen Tagen, nachzulesen)
  • „Wann habe ich zuletzt…?“-Liste (vor allem Haushaltssachen wie Betten beziehen, Fenster putzen usw., die ich nicht wöchentlich, aber doch regelmäßig machen will)
  • Wünsche (meine Traumreiseziele, meine Geburtstags- und Weihnachtswünsche, was ich lernen möchte usw.)
  • Geburtstagsliste inklusive Geschenkideen
  • „Was koch ich heute?“-Liste (Gerichte, die schnell gekocht sind und/oder mein Mann und ich besonders mögen)
  • Themenideen für die Zeitplanerin
  • Postideen für die Social-Media-Kanäle der Zeitplanerin

Diese Sammlung ist bei weitem nicht abschließend, denn ehrlich: Ich LIEBE Listen. Ich fühle mich so aufgeräumt und organisiert, wenn ich Listen nutze, deshalb mache ich das wirklich, wirklich exzessiv.

Tipps und Tricks für mehr Übersicht im Bujo

Ich habe bei meiner Recherche auf einem Blog gelesen, dass jemand das Notizbuch von vorn als Planungstool benutzt – und für die Sonderlisten und Tracker das Buch umdreht und von hinten und auf dem Kopf beschreibt, weil er so nicht über 20 Listen blättern muss, um endlich seine aktuelle Wochenplanung zu finden.

Ich habe es weitestgehend gemischt, weil ich es schön finde, beim Blättern zur profanen Wochenplanung (die ja doch immer „Arbeit“ bedeutet) auch meine hübschen und besonderen Spezialseiten zu finden. Ein System habe ich allerdings doch: Die Tracker befinden sich immer direkt hinter der Jahres- (Gewicht und Maße) beziehungsweise hinter der Monatsübersicht – einfach, weil ich sie auch jahres- beziehungsweise monatsweise führe.

Wie du innerhalb deiner Seiten Verknüpfungen erstellst und welche Kniffe du nutzen kannst, um später noch schneller wieder zu finden, was du suchst, habe ich dir hier zusammen gestellt: Struktur für dein Notizbuch

Kleiner Extra-Tipp: Das klassische Journaling-System kennt einzelne Symbole, mit denen jeweils gekennzeichnet wird, ob deine Stichpunkt einfach nur eine Notiz, ein Termin oder eine Aufgabe ist. Das erleichtert den Überblick. Um die Bedeutung der Symbole nicht zu vergessen, kannst du dir eine Art Legende schreiben. Ich habe sie auf ein kleines Stück Designpapier geschrieben (bei mir 2 x 6 cm) und das oben und unten gelocht. Durch beide Löcher fädelst du das Lesebändchen, mit dem du markierst, auf welcher Seite du gerade arbeitest – und schon hast du deine Symbollegende automatisch immer an genau der Stelle, wo du sie gerade brauchst (für den Ringplaner einfach ein etwas breiteres Designpapier nutzen und das seitlich lochen, einheften und von Seite zu Seite mitnehmen).

Kannst du dir vorstellen, dass ein Bullet Journal dir hilft, dein Zeit- und Selbstmanagementproblem zu lösen? Leg dir dein Bujo an und probier es aus – ob du dabei malst, klebst, collagierst, stempelst und zeichnest oder einfach nur schreibst, ist ganz allein deine Sache. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur ein „passt für mich“ – oder eben nicht. (Aber ich bin meganeugierig. Wenn du also dein eigenes Bujo zeigen willst, freue ich mich über Bilder oder Links!)

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3 Kommentare zu “Mein Lieblingstool: Bullet Journal

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